Bingen, Mäuseturm und Ruine Ehrenfels

Bingen am Rhein

Bingen im Großherzogtum Hessen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Bingen 9600 Einwohner – 1900 (Städte im Kaiserreich)

Bingen mit Burg Klopp
Bingen mit Burg Klopp

Bingen im Großherzogtum Hessen

Bingen ist eine Kreisstadt im Großherzogtum Hessen, Provinz Rheinhessen.

Bingen liegt in reizender Lage, 80 Meter über dem Meer, links am Rhein, an der Mündung der Nahe, über welche die alte sogenannte Drususbrücke und eine Eisenbahnbrücke führen.

Bingen, Gruß vom Rochusberg
Bingen, Gruß vom Rochusberg

Die Stadt Bingen ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien MainzKoblenz und Worms-Bingen, hat eine evangelische und 3 katholische Kirchen (die gotische Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert mit Krypte aus dem 11. Jahrhundert), 2 Synagogen, ein Rathaus im mittelalterlichen Stil, einen Hafen, ein Elektrizitätswerk, Zigarren-, Stärke-, Schaumweinfabrikation, Gerberei, Bierbrauerei, Weinbau, Weinhandel, Speditionshandel und Schifffahrt.

Bingen, Rochuskapelle
Bingen, Rochuskapelle

Im Jahr 1900 leben in Bingen 9600 meist katholische Einwohner. Bingen ist Sitz eines Amtsgerichts, einer Handelskammer, einer Reichsbanknebenstelle, eines Hauptsteueramts, einer Oberförsterei und hat ein Technikum, eine Realschule mit Progymnasium, eine Baugewerk- und Gewerbeschule und ein Institut der Englischen Fräulein.

Bingen, Stadtansicht
Bingen, Stadtansicht

Über der Stadt die Burg Klopp, neuerdings wiederhergestellt, seit 1900 städtisches Besitztum, mit vortrefflicher Aussicht; unweit liegt der Rochusberg mit der Rochuskapelle, 1889 durch Blitzstrahl zerstört, 1895 schöner und größer wieder aufgebaut. Unterhalb der Stadt ist das Binger Loch, eine für die Schifffahrt sonst sehr gefährliche Stromenge, die jedoch 1834 verbreitert und fahrbar gemacht ist.

Bingen, Festhalle und Denkmal Ludwig IV.
Bingen, Festhalle und Denkmal Ludwig IV.

Hier steht mitten im Strom auf einem Felsen der sogenannte Mäuseturm (nach einigen soviel wie Mautsturm, nach neuerer Forschung aber von Muserie, „Geschütz“, abzuleiten), in dem der Sage nach der Erzbischof Hatto II. von Mainz 969 von den Mäusen gefressen wurde. Bingen (Vincum oder Bingium), eine Stadt der Vangionen, gehörte zur Römerzeit zum belgischen Gallien. Drusus erbaute hier 13 v. Chr. ein Kastell, dessen Reste sich noch heute bei der Ruine Klopp finden, und über die Nahe eine Brücke.

National-Denkmal a. d. Niederwald mit Blich auf Bingen am Rhein. Mündung der Nahe
National-Denkmal a. d. Niederwald mit Blich auf Bingen am Rhein. Mündung der Nahe

Die Stadt Bingen, im Rheingau belegen, erscheint Ende des 10. Jahrhundert im Besitz der Erzbischöfe von Mainz, die sie 1437 an das Mainzer Domkapitel abtraten. In der Burg Klopp wurde Kaiser Heinrich IV. 1105 von seinem Sohn gefangen gehalten. 1254 trat Bingen dem rheinischen Städtebund bei. 1639 wurde es vom Herzog Bernhard von Weimar, 1640 von den Kaiserlichen und 1644 von den Franzosen erobert, die 1689 die Burg nochmals nahmen und sprengten, die Stadt selbst aber in Asche legten.

Bingen, Schmidtstraße mit elektrischer Straßenbahn
Bingen, Schmidtstraße mit elektrischer Straßenbahn

Von 1797–1814 gehörte Bingen zu Frankreich und fiel 1815 an das Großherzogtum Hessen. Nach der Sage liegt bei Bingen der Nibelungenhort im Rhein verborgen.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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