Großherzöge von Baden

Die Großherzöge Badens von 1806 bis 1918

Großherzogtum Baden, Staatswappen
Großherzogtum Baden, Staatswappen

Karl Friedrich von Baden-Durlach erbte 1771 die Besitzungen der erloschen Linie Baden-Baden und wurde 1803 Kurfürst. Für seinen Beitritt zum Rheinbund 1806 erhielt er von Napoleon I. den großherzoglichen Titel und die Souveränität über sämtliche in seinem Lande gelegene reichsunmittelbare Reichsstände und Reichsritter (Fürstenberg, Leiningen, Löwenstein-Wertheim u. a.), insgesamt 5500 km² mit 380.000 Einwohnern. Das Großherzogtum Baden wurde in zehn Kreise eingeteilt.

Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg, Pfalz
Elsass-Lothringen, Baden, Württemberg, Pfalz

Baden, das im deutschen Bundesrat drei Stimmen besitzt und im deutschen Reichstag durch 14 Abgeordnete vertreten ist, ist eine konstitutionelle Monarchie, erblich nach dem Erstgeburtsrecht und der Linearerbfolge im Mannesstamm, im Fall des Erlöschens des Mannesstammes auf männliche Nachkommen badischer Prinzessinnen übergehend. Der Landesfürst führt den Titel: Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. Er bekennt sich mit dem großherzoglichen Haus zur evangelischen Konfession. Die badische Verfassung wurde vom Großherzog Karl am 22. August 1818 verliehen. Nach dieser steht dem Großherzog die ausübende Gewalt zu, während er die gesetzgebende mit den aus zwei Kammern zusammengesetzten Landständen teilt.

Stammbaum der Großherzöge Badens

Stammbaum der Großherzöge Badens
Stammbaum der Großherzöge Badens

Regenten

Karl Friedrich Großherzog von Baden

Karl Friedrich
* 22.11.1728 in Karlsruhe
† 10.06.1811 in Karlsruhe
Großherzog von Baden 1806–1811

Karl Friedrich, 1. Großherzog von Baden, wurde am 22. November 1728 in Karlsruhe geboren. Er ist der Sohn des Erbprinzen Friedrich von Baden-Durlach, folgte seinem Großvater, dem Markgrafen Karl Wilhelm in Baden-Durlach. erst unter Vormundschaft seines Onkels und seit 1746 selbständig. Als ihm 1771 Baden-Baden zufiel, hob er 1783 die Leibeigenschaft auf, gewährte Freizügigkeit, trug die Landesschulden ab, beförderte Ackerbau, Gewerbe, Handel und die geistige Bildung. Karl Friedrich zog Dichter und Gelehrte (Schlosser, Voltaire, Lavantes u. a.) an seinen Hof und schrieb selbst einen „Abrégé des principes de l’économie politique«“ (Karlsruhe 1772). 1785 schloss er sich dem Fürstenbund an. Infolge des französischen Revolutionskrieges verlor er 1796 seine Besitzungen auf dem linken Rheinufer, erhielt aber 1803 das Stift Konstanz, die rechtsrheinische Pfalz mit Heidelberg, wo er die Universität zu neuer Blüte führte und wurde am 1. Mai 1803 Kurfürst von Baden. Durch den Preßburger Frieden erhielt er den Breisgau und die Stadt Konstanz. Am 12. Juli 1806 trat er als souveräner Fürst dem Rheinbund bei, nahm durch Napoleon I. den Titel Großherzog an und erhielt abermals einen Länderzuwachs, so dass unter ihm Baden zu einem Staat von 14.300 km² mit 430.000 Einwohnern anwuchs. Aus erster Ehe mit der edlen, geistvollen Karoline Luise von Hessen († 1783) hatte Karl Friedrich drei Söhne, den Erbprinzen Karl Ludwig (geboren am 14. Februar 1755), der am 15. Dezember 1801 infolge eines Unglücksfalles starb, Markgraf Friedrich (1756-1817) und Ludwig, den späteren Großherzog (1818-30). 1787 vermählte er sich in zweiter Ehe mit Luise Karoline, Freiin Geyer von Geyersberg, die der Kaiser 1796 zur Reichsgräfin von Hochberg erhob. Aus dieser Ehe stammten der spätere Großherzog Leopold (1830-52), Markgraf Wilhelm (1792-1859) und Markgraf Maximilian (1796-1882). Karl Friedrich war Freimaurer und regierte im Sinne der Humanität und der Aufklärung. Er starb am 10. Juni 1811 in Karlsruhe im Alter von 82 Jahren.

Karl Ludwig Friedrich Großherzog von Baden

Karl Ludwig Friedrich
* 08.06.1786 in Karlsruhe
† 08.12.1818 in Rastatt
Großherzog von Baden 1811-1818

Karl Ludwig Friedrich, 2. Großherzog von Baden, wurde am 8. Juni 1786 in Karlsruhe geboren. Er ist der Sohn des 1801 verunglückten Erbprinzen Karl Ludwig. 1811 folgte er seinem Großvater Karl Friedrich, dessen Mitregent er seit 1808 war, in der Regierung und verlieh dem Großherzogtum Baden am 22. August 1818 die Verfassung. Karl Ludwig Friedrich nahm an Napoleons Feldzug gegen Preußen teil, schloss sich aber im November 1813 der Allianz gegen Napoleon an und konnte dadurch seine Ländereien behaupten. Auf ausdrücklichen Wunsch Napoleons vermählte er sich 1806 mit dessen Adoptivtochter Stephanie von Beauharnais, so wollte der französische Kaiser Baden enger an Frankreich binden. Mit Stephanie bekam Karl Ludwig Friedrich zwei Söhne, die aber bald nach der Geburt starben. Da der Großherzog sich nicht von seiner Frau scheiden lassen wollte, hinterließ er keine männlichen Erben, weshalb ihm sein Onkel Ludwig, Karl Friedrichs dritter Sohn aus erster Ehe, in der Regierung folgte. Karl Ludwig Friedrich starb am 8. Dezember 1818 in Rastatt im Alter von 32 Jahren.

Ludwig I. Großherzog von Baden

Ludwig I.
* 09.02.1763 in Karlsruhe
† 30.03.1830 in Karlsruhe
Großherzog von Baden 1818-1830

Ludwig Wilhelm August, 3. Großherzog von Baden, wurde am 9. Februar 1763 in Karlsruhe geboren. Er ist der dritte Sohn des Großherzogs Karl Friedrich. Ludwig Wilhelm August trat 1785 in die preußische Armee ein, machte den ersten Koalitionskrieg von 1792 mit, wurde Generalmajor und nahm 1795 seinen Abschied. Nun begann er das badische Heer neu zu organisieren, wurde aber durch Intervention Napoleons zur Untätigkeit gezwungen. Im Jahr 1818 folgte er seinem jung verstorbenen Neffen, dem Großherzog Karl Ludwig, in der Regierung Badens als Großherzog Ludwig I. Er ordnete die Finanzen, regelte die kirchlichen Verhältnisse und zeigte besonders für das Militär ein reges Interesse. Ganz im Sinne der Restauration der alten politischen Ordnung Metternichs beseitigte er die für ihn hinderlichen Verfassungsbestimmungen und wahrte geradezu Eifersüchtig seine landesherrliche Würde. Ludwig I. starb am 30. März 1830 in Karlsruhe im Alter von 67 Jahren. Da er unvermählt starb, folgte ihm sein Stiefbruder Leopold aus der Hochberger Linie.

Leopold Großherzog von Baden

Leopold
* 29.08.1790 in Karlsruhe
† 24.04.1852 in Karlsruhe
Großherzog von Baden 1830-1852

Karl Leopold Friedrich, 4. Großherzog von Baden, wurde am 29. August 1790 in Karlsruhe geboren. Er ist der älteste Sohn des Großherzogs Karl Friedrich aus dessen zweiter Ehe mit der Freiin Luise Geyer von Geyersberg, spätere Reichsgräfin von Hochberg. Leopold studierte seit 1809 als Graf von Hochberg in Heidelberg Geschichte, machte 1814 den Krieg (Befreiungskriege) in Frankreich mit und erhielt durch das Hausgesetz vom 4. Oktober 1817 das Erbfolgerecht in den badischen Landen, den Titel eines großherzoglichen Prinzen und Markgrafen von Baden sowie das Prädikat „Hoheit“. Seit 25. Juli 1819 mit Prinzessin Sophie Wilhelmine von Schweden vermählt, lebte Leopold von seinem Halbbruder, dem Großherzog Ludwig I., von den Regierungsgeschäften fern gehalten, zurückgezogen in dem Kreise seiner Familie. Am 30. März 1830 erbte er von seinen Halbbruder den Thron. Leopold bahnte als erster deutscher Fürst bereits vor den Ereignissen von 1848 liberale Reformen an und versuchte in den Märztagen 1848 mit Konzessionen die Revolutionäre zu besänftigen. Trotzdem erstarkte in Baden die revolutionäre Bewegung so sehr, dass Leopold am 13. Mai 1849 das Land verließ und erst im August mithilfe preußischer Truppen zurückkehrte. Leopold führte nun die alte Verfassung wieder ein. Durch den Beitritt zum deutschen Zollverein und dem Bau der Bahnlinie MannheimBasel trug er wesentlich zur wirtschaftlichen Blüte seines Landes bei. Da sein ältester Sohn, Ludwig, durch eine Geisteskrankheit an der Übernahme der Regierung verhindert war, folgte ihm sein zweiter Sohn, Friedrich, den er, an der Gicht leidend, bereits am 21. Februar 1852 zum Regenten ernannt hatte. Leopold starb am 24. April 1852 in Karlsruhe im Alter von 61 Jahren.

Ludwig II. Großherzog von Baden

Ludwig II.
* 15.08.1824 in Karlsruhe
† 22.01.1858 in Karlsruhe
Großherzog von Baden 1852-1856, regierungsunfähig

Ludwig II., 5. Großherzog von Baden, wurde am 15. August 1824 in Karlsruhe geboren. Er ist der erste Sohn des Großherzogs Leopold und Sophie von Schweden. Zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Friedrich erhielt er eine moderne Erziehung. Zusammen unternahmen sie Reisen nach Oberitalien und in die Niederlande. Als im September 1842 der Grundstein zum Weiterbau des Doms in Köln gelegt wurde, nahm er als Vertreter des badischen Hauses teil. Von Dezember 1842 bis Mai 1843 hielt sich Ludwig zum Studium in Wien und Heidelberg auf. Hier zeigten sich erste Zeichen einer schweren psychischen Erkrankung. Nach dem Tode seines Vaters, am 24. April 1852, konnte er die Regierung nicht antreten. Sein Bruder Friedrich führte die Amtsgeschäfte als Regent. Ludwig II. starb am 22. Januar 1858 in Karlsruhe im Alter von 33 Jahren.

Friedrich I. Großherzog von Baden

Friedrich I.
* 09.09.1826 in Karlsruhe
† 28.09.1907 Insel Mainau
Regent von Baden 1852-1856
Großherzog von Baden 1856-1907


Friedrich Wilhelm Ludwig, 6. Großherzog von Baden, wurde am 9. September 1826 in Karlsruhe geboren. Er ist der zweite Sohn des Großherzogs Leopold und der Prinzessin Sophie Wilhelmine von Schweden. Friedrich studierte gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ludwig in Heidelberg und Bonn. Friedrich erhielt, da Ludwig an einer psychischen Erkrankung litt, nach dem Tode seines Vaters (24. April 1852) mit Zustimmung der Agnaten die Regentschaft. Da sich die Krankheit seines Bruders als unheilbar erwies, nahm Friedrich am 5. September 1856 den großherzoglichen Titel an und wurde nach Ludwigs Tod am 22. Januar 1858 alleiniger Großherzog. Am 20. September 1856 heiratete er die Tochter des damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren Kaisers Wilhelm I., Prinzessin Luise von Preußen. Friedrich verfolgte bereits in den 1850er Jahren eine propreußische Politik zur Einigung Deutschlands. Trotzdem wurde er 1866 zur Teilnahme am Kriege gegen Preußen (Deutscher Krieg) gezwungen. Nach dem Frieden folgte er seiner Überzeugung, ernannte 1868 den preußischen General Beyer zum badischen Kriegsminister und führte durch ihn die Reorganisation des badischen Heeres nach preußischem Muster durch. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erfüllte er treu seine Bündnispflicht und hatte wesentlichen Anteil an der Errichtung des Deutschen Reiches und brachte am 18. Januar 1871 das erste Kaiserhoch aus. Als Militär wurde Friedrich 1877 Generalinspekteur der 5. Armeeinspektion und 1888 Generaloberst der Kavallerie. Das großherzogliche Paar Friedrich und Luise waren im Volk sehr populär und äußerst beliebt, unter ihrer Regentschaft erlebte Baden eine Blütezeit. Friedrich starb am 28. September 1907 auf der Insel Mainau im Alter von 81 Jahren.

Friedrich II. Großherzog von Baden

Friedrich II.
* 09.07.1857 in Karlsruhe
† 09.08. 1928 in Badenweiler
Großherzog von Baden 1907-1918

Friedrich Wilhelm, 7. Großherzog von Baden wurde am 9. Juli 1857 in Karlsruhe geboren. Er ist der Sohn des Großherzogs Friedrich I. und Prinzessin Luise. Nach dem Besuch einer Schule in Karlsruhe studiert Friedrich an den Universitäten in Heidelberg und Bonn und besuchte Vorlesungen in Leipzig und Freiburg. Am 20. September 1885 heiratete er auf Schloss Hohenburg Prinzessin Hilda von Nassau, Tochter des Großherzogs von Luxemburg, die Ehe blieb kinderlos. Er widmete sich zunächst dem militärischen Dienst und war 1897-1902 kommandierender General des 8. Armeekorps in Koblenz. Aufgrund einer schweren Erkrankung seines Vaters führt er vom November 1881 bis zum Oktober 1882 die Regierungsgeschäfte Badens. Nach dem Tod des Vaters, Großherzog Friedrich I., übernimmt er am 28. September 1907 die Regierung. Friedrich II. konnte seine Schüchternheit nie ablegen und erreichte auch nicht die Popularität seines Vaters. Nach Ausbruch der Novemberrevolution 1918, stimmte er am 14. November der Bildung eines Ministeriums unter Vorsitz des Sozialdemokraten Anton Geiß zu und dankte am 23. November 1918 ab. Friedrich II. lebte zusammen mit seiner Frau Hilda zunächst auf Schloss Langenstein als Gast von Graf Robert Douglas (1880-1955) und zog 1920 nach Freiburg. In den folgenden Jahren erblindete er fast und reiste zu Kuren nach Baden-Baden oder Badenweiler. Hier, in Badenweiler, stirbt Friedrich am 9. August 1928 im Alter von 71 Jahren. Sein Leichnam wurde am Abend des 15. August unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Freiburg nach Karlsruhe überführt.

Max von Baden

Max von Baden
* 10.07.1867 in Baden-Baden
† 06.11.1929 in Konstanz
Thronfolger von Baden 1907-1918
achter Reichskanzler vom 03.10.1918 bis 09.11.1918

Max von Baden wurde am 10. Juli 1867 in Baden-Baden als einziger Sohn des Prinzen Wilhelm von Baden, einem Bruder Ludwigs II. und Friedrichs II., geboren. Im Alter von 33 Jahren vermählte er sich im Jahr 1900 mit Marie Luise von Braunschweig-Lüneburg und bekam mit ihr zwei Kinder. Da Großherzog Friedrich II. keine Kinder hatte war Max von Baden bis November 1918 der Thronerbe und von 1907 bis 1918 Präsident der Ersten Kammer des Großherzogtums Baden. Um Friedensverhandlungen zu führen ernennt Kaiser Wilhelm II. seinen Cousin Max von Baden im Alter von 51 Jahren am 3. Oktober 1918, in der Endphase des Ersten Weltkrieges (1914-1918), zum achten Reichskanzler. Max von Baden hielt sich selbst für ungeeignet und war nur aus Pflichtgefühl zu bewegen, das Amt anzunehmen. Seiner Gesinnung entsprechend begann Max von Baden die Parlamentarisierung der Reichsregierung und berief auch erstmalig Sozialdemokraten in die Regierung. In er Hoffnung auf milde Friedensbedingungen verkündet er am 9. November 1918 die Abdankung Kaiser Wilhelms II. ohne das dieser sie überhaupt erklärt hatte und beging damit einen Staatsstreich. Nach seinem Rücktritt verlegt Max seinen Wohnsitz nach Salem und richtete 1920 zusammen mit den Pädagogen Karl Reinhardt und Kurt Hahn die Privatschule „Schule Schloss Salem“ ein. Prinz Max von Baden starb am 6. November 1929 in Konstanz im Alter von 62 Jahren.

Im Jahr 1927 adoptierten Friedrich II. und Hilda ihren Großneffen Berthold, den Sohn Max von Badens, um den Familienstamm zu erhalten. Bertholds Sohn Max ist derzeit der Chef des Hauses Baden, sein Enkel Bernhard führt die Geschäfte der Familie.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Brockhaus Kleines Konversations-Lexikon“, 5. Auflage, Leipzig 1911
  • „Lexikon deutscher Herrscher und Fürstenhäuser“, Heinrich Klauser, Ullstein 1995
Tinte

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2 Kommentare

  • Thomas R./Karlsruhe

    Ich bin begeistert! So eine schöne grafische Übersicht habe ich schon seit Jahren gesucht. Es ist bei unseren badischen Großherzögen auch nicht so einfach die Übersicht zu behalten.
    Vielen Dank!

  • Maria aus Mosbach

    Schöne Übersicht!
    Vielen Dank!

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