Deutsch-Neu-Guinea, Stephansort

Neuguinea-Kompanie

Rabaul, Bismarck Archipel, Warenhaus und Verwaltungsgebäude der Neu Guinea Compagnie
Rabaul, Bismarck Archipel, Warenhaus und Verwaltungsgebäude der Neu Guinea Compagnie

Die Neuguinea-Kompanie war eine 1884 in Berlin durch den Bankier Adolf von Hansemann (27.07.1826 in Aachen – 09.12.1903 in Berlin) u.a. gebildete Gesellschaft zur Erwerbung von Kolonialbesitz im westlichen Teil der Südsee.

Adolf von Hansemann

Adolf von Hansemann

* 27.07.1826 in Aachen, † 09.12.1903 in Berlin; Gründer der Neuguinea-Kompanie 1884

Sie entsandte 1884 Otto Finsch (08.08.1839 in Warmbrunn – 31.01.1917 in Braunschweig) und Eduard Dallmann (11.03. 1830 in Flethe – 23.12.1896 in Blumenthal), die auf drei Reisen den größten Teil der Nordküste von Neuguinea befuhren. Nachdem zahlreiche Landerwerbungen für das Konsortium gemacht worden waren, hisste am 1. November 1884 das Kriegsschiff S.M.S. Elisabeth in dem betreffenden Gebiete die deutsche Flagge

100 Jahre Proklamation von Deutsch-Neuguinea, Rabaul und S.M.S. Elisabeth, Sondermarke Papua-Neuguinea 1984
100 Jahre Proklamation von Deutsch-Neuguinea, Rabaul und S.M.S. Elisabeth, Sondermarke Papua-Neuguinea 1984

Dieses schnelle Vorgehen verhinderte die Besitzergreifung des ganzen östlichen Neuguinea durch Großbritannien, wozu Queensland (Australien) bereits seit längerer Zeit gedrängt hatte. Ein kaiserlicher Schutzbrief vom 17. Mai 1885 übertrug der Neuguinea-Kompanie die Hoheitsrechte über Kaiser Wilhelms-Land an der Nordküste von Neuguinea, den Bismarck-Archipel und am 15. Dezember 1886 auch über die nördlichen Inseln der Salomongruppe (Bougainville, Buka, Choiseul, Isabel etc.).

Kaiser-Wilhelms-Land, Bismarck-Archipel, Salomonen

Die erste Station wurde 5. November 1885 in Finschhafen angelegt, die bis 1891 Sitz der Verwaltung war, der aber dann an den gesünderen Friedrich-Wilhelmshafen verlegt wurde. Weitere Stationen wurden in Konstantinhafen, Hatzfeldthafen, Stephansort, Erima und Herbertshöhe angelegt. 1891 übernahm die im vorhergehenden Jahre gegründete Astrolabe-Kompanie die Stationen Stephansort und Erima und legte selbst zwei neue Stationen, Jomba und Maraga, an. Am 1. April 1899 wurde das Schutzgebiet der Neuguinea-Kompanie vom Deutschen Reich übernommen.

Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark
Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark
Die Neuguinea-Kompagnie prägte seit 1894 sogar eigene Münzen. Diese Münzen besaßen die identischen Wertangabe wie im Deutschen Reich zu 1,2, 10 Pfennig in Kupfer, ½ 1, 2, 5 Mark in Silber und 10, 20 Mark in Gold. Nach der Übernahme der Verwaltungsaufgaben durch das Deutsche Reich 1899 wurden keine neuen Münzen mehr geprägt und 1911 wurden sie schlussendlich außer Kurs gesetzt. Neben Deutsch-Neuguinea wurden in Deutsch-Ostafrika und Kiautschou ebenfalls eigene Münzen geprägt.
Deutsch-Neuguinea, Stephansort, Assistenten-Haus, Krankenhaus Stephansort
Deutsch-Neuguinea, Stephansort, Assistenten-Haus, Krankenhaus Stephansort

Da aus dem Handel mit den Eingebornen kein nennenswerter Gewinn zu ziehen war, so war die Neuguinea-Kompanie wie die ihr 1896 beigesellte Astrolabe-Kompanie auf den Anbau tropischer Produkte angewiesen. Die Gesellschaft beschäftigte in ihren wichtigsten Pflanzungen Herbertshöhe (205.000 Kokospalmen, 77.000 Kaffee-, 9000 Kapok-, 2559 Kautschukbäume) 31, in Friedrich-Wilhelmshafen (113.000 Kokospalmen, 81.000 Kautschuk-, 14.600 Kapokbäume) 23 und in Stephansort (64.000 Kokospalmen, 130.485 Kautschuk-, 13.884 Kapokbäume, 9000 Sisalagaven) 7 europäische Angestellte und 1165,940 und 640 Arbeiter.

Deutsch-Neuguinea, Friedrich Wilhelms Hafen, Erima-Hafen
Deutsch-Neuguinea, Friedrich Wilhelms Hafen, Erima-Hafen

Nebenstationen bestehen in Potsdamhafen, Finschhafen, Crimahafen; die Frenchinseln mit der Nebenstation Peterhafen ergaben zur Ausfuhr allein 340.000 kg Kopra und 54.800 Pflanznüsse. Auf dem Hansemannberge bei Friedrich-Wilhelmshafen wurde eine Erholungsstation errichtet. In Herbertshöhe, Friedrich-Wilhelmshafen und Stephansort hielt man kleine Viehherden (im ganzen 40 Pferde und 459 Rinder). Aus dem Koprahandel (907 Tonnen) wurden 233.138 Mark eingenommen.

Der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) beendete die Ära des deutschen Südsee-Schutzgebietes und das deutsche Handelsengagement abrupt. Am 12. September 1914 wurde Rabaul, der Gouvernementssitz von Deutsch-Neuguinea, von den Australiern eingenommen und alle Deutschen enteignet und interniert.

Quellenhinweise:

  • „Konversationslexikon“, Leipzig und Wien 1909
  • „Deutsches Kolonial-Lexikon“ (1920), Band II, Seite 629, Verfasser: Krauß
  • „Der Kampf um unsere Schutzgebiete – Unsere Kolonien einst und jetzt“ von P. Jos. M. Abs Düsseldorf 1926
  • zeitgenössische Postkarten mit ihren originalen Bildunterschriften.

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