Sedantag

Schlacht bei Sedan 1870
Schlacht bei Sedan 1870

Sedantag, 2. September, der Nationalfeiertag des Deutschen Reiches 1871-1918 (Kaiserreich)

Sedantag
Sedantag in Berlin, Brandenburger Tor „Welch eine Wendung durch Gottes Führung“

Nationalfesttage

Als nationaler Feiertag gilt in den meisten Monarchien der Geburtstag des Herrschers. In den Republiken wird meist der Tag der Unabhängigkeitserklärung oder der Verfassungsannahme gefeiert. Davon abgesehen verdienen als die wichtigsten Nationalfesttage besondere Erwähnung:

  • im Deutschen Reich der Sedantag (2. September);
  • in der Schweiz der eidgenössische Bettag (3. Sonntag im September);
  • in Österreich der Geburtstag des Kaisers (18. August); 
  • in Ungarn der St. Stephanstag (20. August);
  • in Belgien die Tage der Thronbesteigung Leopolds I. und der Unabhängigkeitserklärung (21.–23. Juli);
  • in Frankreich der Tag der Erstürmung der Bastille (14. Juli);
  • in Griechenland der Unabhängigkeitstag (25. März a. St.);
  • in Rumänien der Tag der Proklamation des Königreichs (14. März a. St.);
  • in Spanien der Tag der Entdeckung Amerikas (12. Oktober);
  • in den Vereinigten Staaten von Nordamerika: das Erntedankfest (Thanksgiving-day, Ende November, vom Präsidenten jedes Jahr bestimmt), der Tag der Unabhängigkeitserklärung (4. Juli), der Gräberschmückungstag (Decoration-day, 30. Mai, zum Andenken der im Bürgerkriege 1861–65 Gefallenen);
  • in Brasilien der Sklavenbefreiungs- oder Verbrüderungstag (13. Mai)

Vgl. den Abschnitt „Volksfesttage“ im Gothaischen Genealogischen Hofkalender für 1905.

Sedantag, 2. September

Nationalfeiertag (Sedantag)
Sedantag

Das Deutsche Reich 1871 – 1918 (Kaiserreich) besaß als Nationalfesttag, der Begriff Nationalfeiertag wurde erst später geprägt, den Sedantag. Am 2. September 1870 errangen die vereinigen deutschen Armeen im Deutsch-Französischen Krieg in der Schlacht bei Sedan den entscheidenden Sieg, der letztendlich mit der Ausrufung König Wilhelms I. von Preußen am 18. Januar 1871 in Versailles zum Deutschen Kaiser zur Gründung des Deutschen Reichs führte. Dieser Sieg und damit der Sedantag standen unter dem Ausspruch: „Welch eine Wendung durch Gottes Führung„.

Schlacht bei Sedan am 1. September 1870
Schlacht bei Sedan am 1. September 1870

Der Sedantag ist bis heute der einzige politische Feiertag in Deutschland der eine wirklich große Popularität gewann. Überall wurden bunte Wimpel aufgehängt, Fahnen gehisst, Truppenparaden abgehalten, Lieder gesungen und patriotische Reden gehalten. In öffentlichen Gebäuden und in Schulen wurden Bildnisse Kaiser Wilhelms I., Otto von Bismarcks und Helmuth von Moltkes aufgestellt. Kriegsveteranen schilderten ihre Erlebnisse aus jenen Tagen, vielerorts stellte man die Schlacht bei Sedan und die anschließende Degenübergabe des geschlagen Kaisers Napoleon III. an Wilhelm I. nach. Nie wieder danach konnte ein offizieller Nationalfeiertag das deutsche Volk in solche freudigen Emotionen versetzten. Abgeschafft wurde der Sedantag nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) als am 27. August 1919 das vom Reichsinnenminister Eduard David (SPD) geführte Innenministerium der Weimarer Republik erklärte, dass dieser Feiertag nicht mehr zeitgemäß sei.

Napoleon III. vor König Wilhelm bei Sedan am 2. September 1870
Napoleon III. vor König Wilhelm bei Sedan am 2. September 1870

Typischer Ablauf einer Schulfeier zum Sedantag:

  1. Choral: „Nun danket alle Gott“ V. 1.,2.
  2. „Mein Vaterland“ von Hoffmann von Fallersleben
  3. „Der deutsche Heldenknabe“ von Graf zu Stolberg
  4. „König Wilhelm in Ems“ von George Hesekiel
  5. Gemeinschaftlicher Gesang: „Die Wacht am Rhein“ V. 1. 2. 3. 5
  6. „Der Königssieg von Metz“ von George Hesekiel
  7. Lied: „Die Trompete von Gravelotte“ Melodie von Conradi
  8. Schlussszene aus „der Schlacht von Sedan 1. September 1870“ von Dahn
  9. „Am dritten September 1870“ von Geibel
  10. „Über der Walstatt“ von Lohmeyer
  11. Chor: „Preis und Anbetung sei unserem Gott“ Melodie von Rinck
  12. „Einzug 16. Juni 1871“ von Fontane
  13. „Heimweh“ von Geibel
  14. Festrede des Direktors
  15. Gemeinschaftlicher Gesang: „Heil dir im Siegerkranz“ V. 1. 2. 5.
Schwarz-Weiß-Rot
Sedantagsfeier

Übersicht aller Nationalfeiertage in Deutschland

  • Im Kaiserreich galt der 2. September „Sedantag“ als Nationalfesttag.
  • Die Weimarer Republik (1918 – 1933) beging den 11. August als den Verfassungstag.
  • Im Dritten Reich (1933 – 1945) feierte man den 1. Mai als „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“,
  • in der DDR (1949 – 1990) den 7. Oktober als Tag der Staatsgründung,
  • in der alten Bundesrepublik (1949 – 1990) den 17. Juni als Tag des Volksaufstandes in der DDR und
  • seit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 den 3. Oktober, den Tag der deutschen Einheit.
Sedantag 1914
Berlin, Sedanstag 1914, Die Eroberer der ersten russischen Fahne

Deutschlands Riesen bei Sedan

Zu Sedan auf dem Turme beim welschen Kriegspanier
Steht mit verschränkten Armen ein junger Offizier.
Sein Blick schweift in die Runde, der Feind steht vor dem Tor,
Doch deckt ihn noch im Tale des Morgens Nebelflor.

Nur drüben auf der Höhe, südlich von Frenoir,
Hebt sich vom Morgenhimmel ein Umriß, deutlich klar.
Zwei Riesen, scheint es, halten für Deutschland hier die Wacht,
Reglos wie angewurzelt, still-düster wie die Nacht.

Er hebt das Glas zum Auge und stellt es schärfer ein:
,Was Teufel, seh‘ ich richtig! Das muß Graf Moltke sein!
Mit eingekniffnen Lippen, das Fernrohr in der Hand,
Nimmt er wohl schon zum voraus Besitz von unserm Land!

Und neben ihm der Hüne, das muß Graf Bismarck sein!
Nur eine deutsche Eiche hat solchen Wuchs allein.
Vraiment! Ich kenn‘ ihn wieder. Das ernste Angesicht
Und diese hohe. Stirne, die zwei vergißt man nicht.`

Sedan, nun Gott befohlen! Der Tag wird schwer und heiß!
Nun, Frankreichs müder Kaiser, gib alle Hoffnung preis!
Dort stehen Deutschlands Riesen, zwei Säulen stark und schlicht.
Sie siegen oder fallen, ein Drittes gibt es nicht.

Da löst sich aus der Stille schon ein Kanonenschlag
Und grüßt mit Donnerstimme den angebrochnen Tag.
Nun singen tausend Vöglein, aus Stahl und Blei gedreht,
Nun summen tausend Bienen, wo nur ein Franzmann steht.

Ein Regen von Geschossen fällt nieder auf das Land,
So ging einst Sedan unter im heißen Schwefelbrand.
Und immer enger schloß sich der deutsche Eisenring,
Bis an des Turmes Zinne das weiße Banner hing.

Da reckte Bismarck höher den stolzen Gliederbau
Und ließ das Auge schweifen empor zum Himmelsblau.
Graf Moltke hielt den Degen und legte Hand in Hand
Und sprach den schlichten Segen: „Herr, Du hast es gewandt!“

Hermann Dressier
Illustrierte Westdeutsche Wochenschau, 1910

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Meyers Lexikon“ in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924
  • „Bertelsmann Universal Lexikon“ in 20 Bänden, Gütersloh 1992

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen