Lindau im Bodensee, Badischer Dampfer "Zähringen"

Lindau

Lindau im Königreich Bayern, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Lindau 5853 Einwohner – 1905 (Städte des Deutschen Reichs)

Lindau im Bodensee, Hafen. Neuer Dampfer Bavaria in Flaggengala
Lindau im Bodensee, Hafen. Neuer Dampfer Bavaria in Flaggengala

 

Neben der Stadt Lindau in Bayern existieren im Deutschen Reich (Kaiserreich):

  • Lindau in Anhalt, eine Stadt im Herzogtum Anhalt, Kreis Zerbst, an der Staatsbahnlinie Berlin-Blankenheim. Lindau hat eine evangelische Kirche, eine Burgruine, Spiritus- und Stärkefabrikation und im Jahr 1900 leben hier 1141 Einwohner.
  • Lindau am Harz, ein Flecken im Königreich Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Duderstadt. Lindau an der Ruhme, hat eine katholische Kirche, eine Oberförsterei, Jutespinnerei, Zigarrenfabrikation, Pechsiederei und 1500 Einwohner (1900).

Lindau im Bodensee im Königreich Bayern

Lindau im Bodensee ist eine unmittelbare Stadt und klimatischer Kurort im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Schwaben.

Lindau liegt auf einer Insel im Bodensee, die mit dem Festlande durch eine 219 m lange Holzbrücke und durch einen 555 m langen Eisenbahndamm in Verbindung steht. Die Stadt Lindau ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien München-Lindau und Friedrichshafen-Lindau mit Anschluss an die Vorarlberger Eisenbahn (Linie Bludenz-Lindau ) und liegt 398 m ü. M. Lindau hat eine evangelische und und eine katholische Kirche, ein altes und ein neues Rathaus (im ersteren, 1422 erbaut, 1886–88 restauriert und mit Wandgemälden ausgeschmückt, ein Museum für Altertümer etc., die Stadtbibliothek mit Handschriften, Inkunabeln und interessanter Bibelsammlung und das städtische Archiv),

Lindau im Bodensee
Lindau im Bodensee

einen alten römischen Wartturm „Heidenmauer“, einen monumentalen Brunnen mit der Bronzefigur der Lindavia, einen großen Hafen mit einem 33 m hohen Leuchtturm und einem kolossalen Löwen als Staats-Hoheitszeichen am Eingang, an demselben eine Statue des Königs Maximilian II. im Hubertuskostüm (beide von Halbig), ein bedeutendes Getreidelagerhaus, ein neues Postgebäude, die schöne Luitpoldkaserne und ein Elektrizitätswerk. Im Jahr 1900 leben in Lindau mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 20) 5853 Einwohner, davon 2197 Katholiken. Die Industrie beschränkt sich auf Teigwarenfabrikation, Bierbrauerei und Herstellung kondensierter Milch, auch wird bedeutender Wein-, Obst- und Gemüsebau betrieben.

Lindau, Maximilianstraße mit Parade
Lindau, Maximilianstraße mit Parade

Der Handel in Lindau, unterstützt durch eine Reichsbanknebenstelle, eine Filiale der Bayrischen Notenbank und den lebhaften Dampfschiffsverkehr auf dem Bodensee, ist vorzugsweise Speditions- und Transithandel nach der Schweiz und Italien. Lindau hat eine Real- und eine Lateinschule, ein Theater, 3 Seebadeanstalten, ein reich dotiertes Spital und ist Sitz eines Bezirksamts, eines Amtsgerichts und eines Hauptzollamts. In der Nähe der Hoyerberg (456 m) mit zwei Gasthäusern und prächtiger Aussicht und das Schachenbad mit Schwefelquelle und Seebad.

Lindau im Bodensee, Hafenpartie
Lindau im Bodensee, Hafenpartie

Bereits die Römer hatten auf der Insel ein Lager gegen die Vindelizier und Alemannen (Castrum Tiberii). Zur Zeit der Karolinger kommt (882) der Ort urkundlich unter dem Namen Lintowa, 1268 als Lindavia Civitas vor. In einer Urkunde Rudolfs von Habsburg von 1274 erscheint Lindau als Reichsstadt, doch war die Vogtei dort im 14. Jahrhundert den Grafen von Montfort (am Oberrhein) verpfändet. Lindau war Sitz eines kaiserlichen Landgerichts und schloss sich 1331 dem Schwäbischen Städtebund an. Im Jahr 1496 fand in Lindau ein Reichstag statt.

Luftschiff Zeppelin über Lindau im Bodensee
Luftschiff Zeppelin über Lindau im Bodensee

Die Stadt Lindau trat 1530 der Reformation bei, unterzeichnete die Confessio tetrapolitana und schloss sich dem Schmalkaldischen Bund an. 1647 wurde sie von den Schweden unter Wrangel vergeblich belagert. Nachdem sie ihre Reichsunmittelbarkeit gegenüber der Äbtissin des dortigen Stifts Jahrhunderte hindurch behauptet hatte, fiel sie 1803 an den Fürsten von Bretzenheim, 1804 an Österreich und 1805 an Bayern. Auf derselben Insel, auf der Lindau liegt, befand sich ein gefürstetes freiweltliches Frauenstift, das angeblich bereits 866 bestand und 1803 aufgelöst wurde.

Lindau im Bodensee, Badischer Dampfer "Zähringen"
Lindau im Bodensee, Badischer Dampfer „Zähringen“

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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