Tondern, Kaiser Wilhelm-Denkmal

Tondern

Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Schleswig-Holstein, Regierungsbezirk Schleswig

Tondern 4812 Einwohner – 1910 (Städte im Kaiserreich)

Tondern, Oster-Straße
Tondern, Oster-Straße

Tondern

Tondern (Tönder) ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Schleswig-Holstein, Regierungsbezirk Schleswig. Sie liegt an der Widaue und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Elmshorn-Hvidding, Tingleff-Tondern und Tondern-Hoyer Schleuse.

Die Stadt hat eine evangelische Kirche, ein Denkmal des Kaisers Wilhelm I., Realschule, evangelisches Schullehrerseminar, Präparandenanstalt, Amtsgericht, Nebenstelle der Reichsbank, Bierbrauerei, Fettviehausfuhr. Im Jahr 1905 leben hier 4244 (1910 = 4812) Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 26 sind Katholiken und 2 Juden. Tondern erhielt 1243 Stadtrecht. 1639 fand man bei dem benachbarten Orte Galhus ein großes goldenes, mit Figuren verziertes Horn und 1734 ein zweites. Die Runenschrift des einen Horns gehörte dem angelsächsischen Alphabet an und stammte aus dem 6. Jahrhundert.

Tondern, Am Markt
Tondern, Am Markt

1848 nahm die Bürgerschaft auf der Seite der aufständischen Schleswig-Holsteiner gegen die dänische Fremdherrschaft teil. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg wurde die Stadt von den Preußen besetzt und kam nach dem Deutschen Krieg 1866 an das Königreich Preußen.

Tondern, Am Markt
Tondern, Am Markt

Im April 1864 war es der dänischen Verhandlungsführer, der das Angebot einer Teilung Schleswigs nach Nationalitäten zurückwiesen hatten und so wurde am 30. Oktober des Jahres der Frieden von Wien unterzeichnet, in welchem die dänische Monarchie auf ganz Schleswig, Holstein und Lauenburg verzichten musste. Im Jahr 1919 bestimmte der Versailler Vertrag die Durchführung einer Volksabstimmung nach der von Napoleon III. durchgesetzten Einschränkung (Artikel 5). Um Dänemark einen möglichst großen Gebietszuwachs sicherzustellen wurde Schleswig in drei Abstimmungszonen eingeteilt. Die nördlichste, bis zur sogenannten Clausenlinie (nach dem Dänen Clausen 1891 vorgeschlagenen Grenzziehung), musste geschlossen „en bloc“ abstimmen, wodurch das Schicksal diesen Gebietes von vornherein festgelegt wurde. In den beiden südlichen Zonen sollte stattdessen eine gemeindeweise Abstimmung stattfinden in der Hoffnung, dass möglichst viele einzelne Gemeinden nach Dänemark wechseln würden. In der 1. Zone votieren erwartungsgemäß 74,2 % der Stimmberechtigten für Dänemark, Städte wie Sonderburg (56 %), Tondern (77 %) und Apenrade (55,1 %), die mehrheitlich für Deutschland votiert hatten, fielen so an Dänemark. In der 2. Zone stimmten 80 % für Deutschland. Die neue Grenzziehung brachte eine erhebliche deutsche Minderheit unter dänischer Herrschaft, Schleswig-Holstein verlor so Nordschleswig mit 3878 km² an Dänemark. Die Dänen schreiben den Namen der Stadt nun „Tønder“.

 

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