Seeschlacht von Lissa 20. Juli 1866

Seeschlacht von Lissa 20. Juli 1866

Seeschlacht von Lissa (20. Juli 1866)
Seeschlacht von Lissa (20. Juli 1866)

Lissa (kroatisch Vis, bei den Römern Issa) ist eine dalmatinische Insel, südwestlich von der Insel Lesina gelegen. Sie ist 85 km² groß, ist bergig (Hum 592 m), erzeugt vortrefflichen Wein und gutes Öl, hat zwei Grotten und ausgelassene Festungswerke. Im Jahr 1900 leben hier 9914 Einwohner. Hauptort ist der Marktflecken Lissa, an einer Bucht der Nordküste gelegen. Er ist Sitz eines Bezirksgerichts, mit gutem Hafen, in den 1903: 846 beladene Schiffe von 162.028 Tonnen einliefen, Fischerei, Sardinenfabrik und (1900) 5257 Einwohner. An der Westküste liegt Comisa, mit Sardellenfischerei, Erzeugung von Fischkonserven und 4657 Einwohner. Im englisch-französischen Kriege wurde Lissa von den Franzosen besetzt, 1810 aber von den Engländern erobert, die bis 1815 im Besitz der Insel blieben, worauf sie an Dalmatien unter österreichischer Herrschaft fiel.

Deutscher Bund (Deutschland 1815-1866)
Deutscher Bund (Deutschland 1815-1866)

Im Jahr 1866 kam es zwischen dem Deutschen Bund unter Führung Österreichs und dem Königreich Preußen zum Deutschen Krieg. Preußen und Italien schließen ein Zweckbündnis um das militärisch starke Österreich besiegen zu können. Der preußisch-italienische Allianzvertrag ist bis zum 8. Juli 1866 befristet und sieht militärische Hilfe Italiens für Preußen im Kriegsfall gegen Österreich vor. Die Preußen versprechen Italien bei einem preußischen Sieg die österreichische Provinz Venetien. Österreich muss somit einen Zweifrontenkrieg führen, den es letztendlich nach der Schlacht bei Königgrätz verliert.

Seeschlacht von Lissa (1866)
Seeschlacht von Lissa (1866)

Am 20. Juli 1866 findet eine Seeschlacht zwischen der österreichischen und der überlegenen italienischen Flotte statt. Gedrängt von der öffentlichen Meinung, hatte das italienische Ministerium dem Admiral Persano einen Handstreich auf Lissa befohlen.

Carlo Pellion di Persano

Carlo Pellion di Persano
* 11.03.1806 in Vercelli
† 28.07.1883, Turin;
italienischer Admiral und Marineminister

Am 16. Juli lief die Flotte, 23 Schiffe, darunter 11 gepanzerte, von Ancona aus und bekam am 18. Lissa in Sicht. Ein erster Angriff auf San Giorgio misslang, ein Landungsversuch am 19. wurde von der österreichischen Artillerie vereitelt und am 20. hatte Persano eben einen dritten Angriff befohlen, als 10 Uhr vormittags die österreichische Flotte unter Admiral Tegetthoff, die auf die Nachricht vom Anschlag auf Lissa von Pola ausgelaufen und bisher vom Nebel verdeckt herangekommen war, in nächster Nähe in Sicht gemeldet wurde.

Wilhelm von Tegetthoff

Wilhelm Freiherr von Tegetthoff
* 23.12.1827 in Marburg/Drau
† 07.04.1871 in Wien;
österreichischer Admiral

Die österreichische Flotte, in drei Treffen geteilt, in erster Linie 7 Panzerfregatten, in zweiter 7 Holzschiffe (Linienschiff Kaiser, 5 Fregatten, eine Korvette), in dritter 10 Kanonenboote und Schoner, fuhr mit voller Dampfkraft auf die italienische Flotte los, die mittlerweile um 11 Schiffe, darunter ein gepanzertes, verstärkt worden war. Von dieser waren 9 Panzerschiffe kampfbereit, die Persano so ordnete, dass 3 das erste Treffen, 4, darunter das Admiralschiff Re d’Italia, das aber der Admiral während der Bewegung verließ, um sich auf das Turmschiff Affondatore zu begeben, das Zentrum, 2, zu denen nachher noch ein zehntes Panzerschiff (Varese) kam, die Nachhut bildeten.

"Die Seeschlacht bei Lissa" Gemälde von Josef Püttner (1821-1881)
„Die Seeschlacht bei Lissa“ Gemälde von Josef Püttner (1821-1881)

Die Italiener begannen das Feuer, aber die österreichische Flotte drängte sich zwischen Spitze und Zentrum des Gegners, und es begann ein furchtbarer Kampf Schiff an Schiff. Tegetthoff zeigte sich im Manövrieren überlegen. Allerdings musste der „Kaiser“ nach heldenmütigem Kampf mit drei Panzerschiffen in San Giorgio Schutz suchen; aber mit seinem Admiralschiff, der Panzerfregatte Ferdinand Max, die der Kapitän von Sterneck befehligte, bohrte Tegetthoff mit einem Stoß den Re d’Italia in den Grund. Die italienische Holzflotte unter Vizeadmiral Albini kam der Panzerflotte nicht zu Hilfe, diese musste den Kampf aufgeben und sammelte sich westlich von der Insel, nachdem noch der Palestro mit seiner ganzen Bemannung, die ihn nicht verlassen wollte, um 21/2 Uhr nachmittags in die Luft geflogen war.

Wilhelm von Tegetthoff und die Seeschlacht bei Lissa, Sondermarke Sloweniens 2016 zum 150. Jahrestag.
Wilhelm von Tegetthoff und die Seeschlacht bei Lissa, Sondermarke Sloweniens 2016 zum 150. Jahrestag.

Am Abend kehrte Persano nach Ancona zurück. Er hatte zwei Schiffe verloren, und zwei waren kampfunfähig geworden. Sein Verlust betrug ungefähr 630 Mann, darunter 43 Offiziere, die Österreicher hatten 38 Tote und 138 Verwundete. Persano wurde angeklagt und vom Senat am 15. April 1867 zur Amtsentsetzung verurteilt. Das Denkmal „Löwe von Lissa“ am Friedhof von Lissa (Vis) erinnert an die Schlacht.

Lissa.-Vis. Monumento dei caduti nel 1866. ("Löwe von Lissa", Gefallenendenkmal von 1866)
Lissa.-Vis. Monumento dei caduti nel 1866. („Löwe von Lissa“, Gefallenendenkmal von 1866)

Trotz der Niederlage auf See erhielt Italien Venetien und Tegetthoffs Sieg sorgte dafür, dass die österreichische Öffentlichkeit damit leben konnte. Im Norden gewann Preußen den Deutschen Krieg und Österreich sah sich zu einem Ausgleich mit Ungarn gezwungen. Kaiser Franz Joseph I. ernannte den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Graf von Beust am 7. Februar 1867 zum Ministerpräsidenten. Beust und der Ungar Ferenc Deák führten bis zum 18. Februar 1867 die Ausgleichsverhandlungen. Die Seeschlacht von Lissa war fortan ein wichtiger Gründungsmythos der K. u. k. Kriegsmarine.

Wien II - Praterstrasse, Tegetthoff-Monument
Wien II – Praterstrasse, Tegetthoff-Monument

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
Wappen Kaisertum Österreich

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