Kronstadt

Kronstadt (Brassó - Brașov), Domkirche
Kronstadt (Brassó - Brașov), Domkirche

Kronstadt in Siebenbürgen im Königreich Ungarn, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Kronstadt 36.646 Einwohner (1901)

Kronstadt (Brassó - Brașov, Franz Josefsplatz mit Rathaus
Kronstadt (Brassó – Brașov, Franz Josefsplatz mit Rathaus

Kronstadt (Brassó, Brașov) in Siebenbürgen im Königreich Ungarn

Kronstadt (magyar. Brassó, rumän. Brasovu) ist eine Stadt im Königreich Ungarn mit geordnetem Magistrat im gleichnamigen ungarischen Komitat.

Ungarn, Galizien und Bukowina, Nationalitäten- und Sprachen-Karte 1900 (Prof. Hickmann's geographisch-statistischer Taschenatlas von Österreich-Ungarn)
Ungarn, Galizien und Bukowina, Nationalitäten- und Sprachen-Karte 1900 (Prof. Hickmann’s geographisch-statistischer Taschenatlas von Österreich-Ungarn)

Kronstadt liegt an den Bahnlinien Klausenburg-Predeal, Kronstadt-Zernest, Kronstadt-Hosszúfalu und Kronstadt-Kézdi-Vásárhely. Kronstadt ist sehr malerisch in eine Talschlucht des Schulergebirges eingezwängt, die nur gegen die sich nach Nordwesten bis an die Aluta ausbreitende Kronstädter Ebene (das Burzenland) offen ist. Vor der Mündung der Talschlucht erhebt sich der Schloßberg mit der 1554 erbauten Zitadelle, im Süden unmittelbar über der Stadt liegt der 960 m hohe, bewaldete Kapellenberg (die Zinne, magyar. Czenk) mit prachtvoller Rundschau über Kronstadt, dessen schöne Lage vielfach an Salzburg erinnert.

Kronstadt (Brassó - Brașov), Panorama vom Schlossberg
Kronstadt (Brassó – Brașov), Panorama vom Schlossberg

Die zum Teil terrassenförmig aussteigenden Vorstädte liegen in kleinen Nebenschluchten. In der Mitte der ehemals befestigten inneren Stadt steht die 1385–1425 unter König Siegmund im gotischen Stil erbaute imposante Domkirche (jetzt Pfarrkirche der Evangelischen), im Volksmund auch „Schwarze Kirche“ genannt, mit kolossaler Orgel (4060 Pfeifen), und nebenan auf dem dreieckigen Marktplatz das stattliche Rathaus mit Archiv (erbaut 1420 und 1770 im Barockstil renoviert) und das große Kaufhaus (erbaut 1545).

Kronstadt (Brassó - Brașov), Rathaus
Kronstadt (Brassó – Brașov), Rathaus

Die zahlreichen mittelalterlichen Basteien und Türme der alten Stadt fielen leider der neuen Zeit zum Opfer. Kronstadt hat eine katholische Pfarrkirche im italienischen, eine rumänische im byzantinischen Stil und noch mehrere katholische, evangelische und griechische Kirchen, eine neue reformierte Kirche und viele hervorragende öffentliche Gebäude, ein Franziskanerkloster, ein neues Redouten- und Finanzdirektionsgebäude etc. 1898 wurde das Denkmal von Honterus (von Harro Magnussen), 1899 jenes des Bischofs Teutsch (von Dondorff) enthüllt.

Kronstadt (Brassó - Brașov), Klostergasse
Kronstadt (Brassó – Brașov), Klostergasse

Auf dem Czenk erhebt sich seit 1896 ein Millenniumsdenkmal. Kronstadt hat (1901) 36.646 Einwohner, darunter 14.115 Magyaren, 11.248 Walachen u. 10.644 Deutsche (Sachsen) griechisch-orientalischer, evangelischer und römisch-katholischer Konfession, lebhaften Handel und bietet insbesondere bei den stark besuchten Märkten ein interessantes, buntes Straßenbild. Von großer Bedeutung ist die Metallindustrie sowie die Holzmanufaktur, welche auch die einen nationalen Produktionsartikel bildenden Holzflaschen (csutora) liefert. Kronstadt erzeugt überdies Kotzen (raue Wolldecken), Decken, Steingut, hat Petroleumraffinerien, eine Zuckerfabrik, Zementfabriken, mehrere Tuch- und Lederfabriken, Kunstmühlen, Papierfabriken, Sesselfabrik etc., eine Hochquellen-Wasserleitung.

Kronstadt (Brassó - Brașov), Königlich ungarischer Gerichtshof
Kronstadt (Brassó – Brașov), Königlich ungarischer Gerichtshof

Die Stadt ist Sitz eines infulierten Abtes, eines Gerichtshofes, einer Finanzdirektion, eines Hauptzollamtes, einer Handels- und Gewerbekammer und besitzt mehrere Geldinstitute, eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Lehrerpräparandie, drei Obergymnasien, eine Staatsoberrealschule, eine Handelsakademie, eine Holzindustrieschule, eine höhere Mädchenschule und ein Theater. In der Stadt verkehrt eine Dampfstraßenbahn. In der Nähe von Kronstadt liegen die Siebendörfer.

Kronstadt (Brassó - Brașov), Rudolfsring
Kronstadt (Brassó – Brașov), Rudolfsring

Kronstadt (lat. Corona) wurde als Vorort des Burzenlandes 1211 von dem Deutschen Orden als Ansiedelungsgebiet übernommen und kolonisiert, demselben aber 1224 samt der Landschaft entzogen. In der Folge wiederholt von Tataren zerstört und 1421 von den Türken erobert, erholte es sich immer wieder und wurde im 16. Jahrhunderts in den Tagen Honters ein Vorort des Protestantismus und seiner Literaturtätigkeit. Unter Gabriel Báthori erfuhr es dieselben Drangsale wie Hermannstadt. 1611–12 wiederholt vergeblich belagert, ergab es sich, nachdem sein tapferer Bürgermeister Michael Weiß in der Schlacht bei Marienburg gefallen war. Bei der Übergabe Siebenbürgens an Österreich kamen über Kronstadt wiederholt schwere Tage.

Kronstadt (Brassó - Brașov), Graftpartie
Kronstadt (Brassó – Brașov), Graftpartie

General Caraffa erzwang noch vor dem Abschluss des Abtretungsvertrags die Übergabe der Stadt und ließ alle Bürger hinrichten, die sich gegen sein Verlangen gestemmt hatten; die übrigen wurden ausgeplündert. Im folgenden Jahre (1689) legten die raubgierigen Soldaten Feuer an und vernichteten die ganze Stadt. 1718 und 1755 hauste in Kronstadt die Pest. Mitte Januar 1849 wurde die Stadt von Bem besetzt, worauf nach einem Gefecht zwischen den Österreichern und Ungarn am 1. Februar russische Truppen sie in Besitz nahmen. Eine zweite Besetzung durch die Ungarn unter Bem erfolgte Ende März. Ende Juni kapitulierte Kronstadt mit dem russischen General Lüders, der es 12. Juli an die Österreicher übergab. Am 25. Juli fand ein zweites Gefecht zwischen den Österreichern und Ungarn hier statt.

Kronstadt (Brassó - Brașov), Millennium Arpad-Denkmal
Kronstadt (Brassó – Brașov), Millennium Arpad-Denkmal

Kronstadt (Brașov) ist heute eine Stadt in Rumänien.

Ungarn vor und nach dem Ersten Weltkrieg
Ungarn vor und nach dem Ersten Weltkrieg

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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