Celle

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Lüneburg

Celle 21.400 Einwohner – 1905 = 205. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Celle, Am Markt
Celle, Am Markt

 

Celle

Celle (veraltet Zelle) ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Lüneburg, am Einfluss der Fuse und Lachte in die schiffbare Aller. Die Stadt liegt an der Staatsbahnlinie Lehrte-Harburg und 38 Meter über dem Meer. Celle hat ein Schloss (von 1485), in dem die Königin Karoline Mathilde von Dänemark nach ihrer Verbannung von 1772–75 lebte, 5 evangelische und 1 katholische Kirche, unter denen die Stadtkirche mit der Gruft der celleschen Herzöge, eine Synagoge, ein Oberlandesgerichtsgebäude (mit Bibliothek von 60.000 Bänden und wertvollen Handschriften des „Sachsenspiegels“) und ein Landschaftshaus.

Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 77 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 46) 19.883 Einwohner, der Großteil sind Protestantische, 1463 sind Katholiken und 93 Juden. Die Industrie liefert Wollengarn, Zigarren, Schirme, Isoliermörtel, physikalische Instrumente, Cakes, Korbmöbel, Leder, Portefeuillewaren, Filter, Maschinen etc.; ferner gibt es Wachsbleichen, Handelsgärtnereien, Dampfsägemühlen und Ziegelbrennerei.

Der Handel ist lebhaft in Holz, Wolle, Honig, Wachs und Preißelbeeren. Celle hat ein Gymnasium, eine Realschule, Waisenhaus, Museum, Landgestüt, Hebammenlehranstalt und eine Strafanstalt und ist Sitz eines Oberlandesgerichts, eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramts, des Landratsamts für den Landkreis Celle, eine Nebenstelle Reichsbank und eines Ritterschaftlichen Kreditvereins. In der Nähe die Dörfer Lachendorf an der Lachte, mit großer Papierfabrik, und Wietze an der Wietze, mit Erdölquellen.

Celle ist Geburtsort des Dichters Ernst Schulze (1789) und des Landwirts Thaer (1752). Zum Oberlandesgerichtsbezirk Celle gehören die neun Landgerichte zu Aurich, Detmold, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück, Stade und Verden.

Die jetzige Stadt Celle (ursprünglich Neu-Celle) wurde 1292 von Herzog Otto dem Strengen 1 km von dem jetzt nur noch ein Dorf bildenden Altencelle angelegt und erhielt 1294 braunschweigisches Stadtrecht. Seit dem 14. Jahrhundert bis 1705 war Celle Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg Cellescher Linie. 1757 wurde es von den Franzosen unter Richelieu besetzt und die Vorstädte niedergebrannt. Die besonders im 16. Jahrhundert angelegten Befestigungen wurden nach dem Siebenjährigen Kriege beseitigt. Im Hausvertrag von Celle (3. Dezember 1610) wurde die Unteilbarkeit des Fürstentums Lüneburg festgesetzt. Der Friede von Celle, 5. Februar 1679, erklärte den Beitritt Schwedens zum Frieden von Nimwegen; es erhielt gegen Abtretung des Amtes Thedinghausen und der Vogtei Dörverden das Herzogtum Bremen und das Fürstentum Verden zurück.