Köthen (Cöthen)

Kreisstadt im Herzogtum Anhalt, bis 1853 war es die Hauptstadt des Herzogtums Anhalt-Köthen

Köthen 22.978 Einwohner – 1905 = 194. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Köthen in Anhalt, St. Martinskirche
Köthen in Anhalt, St. Martinskirche

 

Köthen (Cöthen)

Köthen (Cöthen) ist Kreisstadt im Herzogtum Anhalt, bis 1853 war es die Hauptstadt des Herzogtums Anhalt-Köthen und Residenz der 1847 ausgestorbenen gleichnamigen Linie. Die Stadt liegt in fruchtbarer Gegend an der Ziethe, dem Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Halle-Wittenberge, Aschersleben-Köthen, Dessau-Köthen u. a. und 80 Meter über dem Meer.

Köthen besteht aus der Alt- und Neustadt und vier Vorstädten, hat 2 evangelische und eine katholische Kirche (darunter die evangelische Jakobskirche im gotischen Stil mit alten Glasmalereien, schöner Orgel und der Fürstengruft), eine Synagoge und das ehemalige Residenzschloss mit Garten, einer Bibliothek von 20.000 Bänden, Gemälde- und Münzsammlung und dem Naumannschen ornithologischen Kabinett, ein Kriegerdenkmal, Denkmäler für den Ornithologen Naumann, für Sebastian Bach und die Homöopathen Hahnemann und Lutze.

Im Jahr 1900 leben hier 22.091 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 804 sind Katholiken und 287 Juden. Köthen hat große Eisengießereien, Maschinen-, Kessel- u. Metallwarenfabrikation, bedeutende Zucker-, Schokoladen-, Konserven-, Sauerkohl-, Stärke-, Gesundheitskaffee-, Mostrich-, Tonwaren-, Knochenmehl-, Leim-, Leder-, Gewehr-, Zigarren-, Wagen- und Lackfabriken, Spiritusbrennerei, Molkerei, ein Emaillierwerk, Glasmanufaktur, Schneidemühlen, Gartenbau (besonders Spargel- und Erdbeerzucht), Braunkohlengruben, Ziegelbrennerei etc.

Der Handel, unterstützt durch eine Nebenstelle der Reichsbank, und ist besonders bedeutend in Wolle und Getreide. Köthen hat ein Gymnasium, Realschule, Schullehrerseminar, Technikum, Rettungsanstalt, 2 Fräuleinstifter, ein herzogliches Landgestüt, eine Landesbaumschule und ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Bergreviers.

Köthen bestand schon im 10. Jahrhundert als slawische Niederlassung Kothene. 1115 schlug Otto der Reiche von Ballenstedt die Wenden (Slawen). Im 12. Jahrhundert muss es Stadtrecht und als Getreidemarkt eine nicht geringe Bedeutung erlangt haben. Die Stadt wurde 1547 dem Fürsten Wolfgang, als einem Gliede des Schmalkaldischen Bundes, vom Kaiser genommen und nebst Wolfgangs sonstigen Besitzungen an den General Ladron verschenkt, jedoch bald zurückgekauft. Das 1547 zum Teil abgebrannte Schloss wurde 1597–1606 neu gebaut, 1620 erfolgte die Verbindung der Neustadt mit der Altstadt. Unter Fürst Ludwig, der eine Zeitlang Vorsteher der Fruchtbringenden Gesellschaft war, war Köthen ein Sitz deutscher Dichtkunst.