Ballenstedt

Kreisstadt im Herzogtum Anhalt

Ballenstedt 5423 Einwohner – 1900 (Städte im Kaiserreich)

Ballenstedt am Harz, Schloss
Ballenstedt am Harz, Schloss

 

Ballenstedt am Harz

Ballenstedt ist Kreisstadt und Luftkurort im Kreisstadt im Herzogtum Anhalt. Sie liegt am Nordfuß des Unterharzes, an der Staatsbahnlinie Frose-Quedlinburg und 217 Meter über dem Meer. Ballenstedt besteht aus der Altstadt und der Neustadt, durch welche die schöne Kastanienallee nach dem hochgelegenen Schloss führt, dessen Terrasse und Park den Hauptanziehungspunkt der Stadt bilden. Das Schloss war von 1046–1525 Mönchskloster, wurde von den Bauern zerstört, 1704–18 wiederhergestellt und 1765 Residenz der Herzöge; zuletzt war es Witwensitz der letzten Herzogin von Anhalt-Bernburg, der zu Ehren vor dem Schloss ein Granitobelisk errichtet ist.

Das Schloss enthält eine kleine Bildergalerie, in der Schlosskirche befindet sich das Grab Albrechts des Bären. Ballenstedt hat eine evangelische Kirche, eine höhere Privat-Lehr- und Erziehungsanstalt, Hoftheater, Mädchenwaisenhaus, zwei Nervenheilanstalten, Amtsgericht, Oberförsterei, Bierbrauerei und Spiritusbrennerei. Im Jahr 1900 leben hier 5423 fast nur evangelische Einwohner. In der Nähe befindet sich der Röhrkopf mit Jagdschloss, die Hubertushöhe mit Aussichtsturm, die Gegensteine, als Ausläufer der Teufelsmauer, die Lohden, städtische Anlagen mit dem Standbild Albrechts des Bären, und der Ziegenberg. Ballenstedt, das uralte Besitztum des anhaltischen Hauses, erhielt 1512 unter Fürst Wolfgang Stadtrecht, wurde 1626 von den Kaiserlichen erobert und geplündert, hielt sich aber 1640 gegen zwei kaiserliche Regimenter.

Die in der Neuzeit verschwundene „Alte Burg“ war Stammsitz der seit 1030 nachweisbaren Grafen von Ballenstedt, die später Askanier genannt wurden. Sie gründeten in einiger Entfernung davon um 1043 ein Kollegiatstift, das 1125 in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde, als Grablege der Askanier diente und im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde. Im Verbande des Fürstentums Anhalt fiel Ballenstedt1603 an die Linie Bernburg, deren Residenz von 1765bis 1863 das auf den Grundmauern des Klosters neu erbauten Schloss war. Die um die alte Burg gewachsene, abseits der Handelsstraßen gelegene Siedlung konnte sich nur schwach entwickeln. Sie galt 1457 als Flecken, erhielt 1543 Stadtrecht und wurde ummauert, ein Rat wurde 1582 eingesetzt. Um das Schloss entstand im 18. Jahrhundert ein höfischer Siedelbereich mit Jagd- und Zeughaus, Reitbahn, Theater(1788) und Marstall. Weitreichende Beziehungen des herzogliches Hauses belebten im 19. Jahrhundert die kleine Residenzstadt, in der die Maler Ferdinand von Rayski 1825/29 und Wilhelm von Kügelgen 1833/67 lebten. 1830 hatte Ballenstedt 3740 Einwohner. 1858 entstand der Schlosspark. 1868 wurde die Bahn nach Frose (Schönebeck), 1885 nach Quedlinburg gebaut.