Wiener Neustadt

Wiener-Neustadt, Hauptplatz mit Rathaus
Wiener-Neustadt, Hauptplatz mit Rathaus

Wiener Neustadt in Niederösterreich im Kaisertum Österreich, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Wiener Neustadt 28.700 Einwohner (1900)

Wiener-Neustadt
Wiener-Neustadt

Wiener Neustadt in Niederösterreich im Kaisertum Österreich

Wiener Neustadt ist eine Stadt mit eigenem Statut im Kaisertum Österreich, Niederösterreich (Erzherzogtum Österreich unter der Enns).

Niederösterreich 1900 (Prof. Hickmann's geographisch-statistischer Taschenatlas von Österreich-Ungarn)
Niederösterreich 1900 (Prof. Hickmann’s geographisch-statistischer Taschenatlas von Österreich-Ungarn)

Wiener-Neustadt liegt 270 Meter über dem Meer, nahe der ungarischen Grenze, an der Fischa, an den Linien WienTriest und Wiener Neustadt-Groß-Kanizsa-Barcs der Südbahn, den Eisenbahnen Wien-Pottendorf-Wiener Neustadt und Wien-Aspang sowie den Lokalbahnen Wiener Neustadt-Puchberg-Schneeberg und Wiener Neustadt-Fischau-Wöllersdorf gelegen. Wiener-Neustadt ist nach dem Brande vom 8. September 1834 großenteils neu gebaut. Unter den Gebäuden steht obenan die 1168 erbaute, im 15. und 18. Jahrhundert umgestaltete Burg der Babenberger, in der seit 1752 die von Maria Theresia gestiftete Militärakademie (400 Zöglinge) untergebracht ist, mit der gotischen St. Georgskapelle (schöne Glasmalereien), in der Kaiser Maximilian I. beigesetzt ist, der Statue Kaiser Friedrichs III. und dessen Wappentafel im Burghof, großem Park mit dem Standbilde der Kaiserin Maria Theresia (von Gaffer) und einem Denkmal für die gefallenen Zöglinge der Akademie.

Wiener-Neustadt, Hauptplatz
Wiener-Neustadt, Hauptplatz

Nennenswerte Gebäude Wiener-Neustadts sind ferner die romanische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt aus dem 13.–15. Jahrhundert mit zwei 1892 neu erbauten Türmen, die Cistercienserabtei Neukloster (1444 gestiftet) mit spätgotischer Kirche (enthaltend das Grabmal der Gemahlin Friedrichs III., Eleonore von Portugal), einer Bibliothek und Kunstsammlung, das Rathaus, das städtische Archiv und Museum (darin der Corvinusbecher aus vergoldetem Silber), mehrere Kasernen und ein Theater. An der Wiener Straße steht eine zu Ende des 14. Jahrhunderts errichtete gotische Denksäule (wie die bei Wien befindliche „Spinnerin am Kreuz“ genannt).

Wiener-Neustadt, Hauptplatz mit Rathaus
Wiener-Neustadt, Hauptplatz mit Rathaus

Im Jahr 1900 leben in Wiener-Neustadt mit dem Militär (1991 Mann) 28.700 Einwohner und hat lebhafte Industrie, namentlich eine große Lokomotivfabrik, Fabriken für Maschinen, Motorwagen, Drahtstifte, Glocken, Tonwaren, Zündschnüre und Zündhölzer, Spitzen, Harz- und Teerprodukte, Kerzen, Papier, Leder und Watte, eine Bierbrauerei, Dampfsäge, Klenganstalten für Waldsamen, Gasanstalt und bedeutenden Handel, insbes. mit Vieh und landwirtschaftlichen Produkten.

Wiener-Neustadt, Hauptplatz
Wiener-Neustadt, Hauptplatz

Wiener Neustadt ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft (Wiener Neustadt-Umgebung) und eines Kreisgerichts und besitzt an Unterrichtsanstalten außer der genannten Militärakademie, ein Staatsobergymnasium, eine Landesoberrealschule, ein Landeslehrerseminar, eine Landesgewerbeschule, eine Handelsschule, einen Militär-Fecht- und Turnlehrerkurs und eine Mädchenerziehungsanstalt; an Wohltätigkeitsanstalten: ein allgemeines Krankenhaus, ein Armen-, ein Bürgerversorgungs-, ein Waisenhaus und eine Taubstummenanstalt; ferner eine Sparkasse. Die Umgebung von Wiener Neustadt bildet das früher unkultivierte, jetzt mit Föhrenwaldungen bepflanzte Steinfeld. Von Wiener Neustadt führt der 61 km lange, 11 m breite, 1804 vollendete Wiener-Neustädter Kanal nach Wien; er diente bis 1879 als Schifffahrts-, seither nur als Werkkanal.

Wiener-Neustadt, Militär-Akademie
Wiener-Neustadt, Militär-Akademie

Westlich von Wiener Neustadt liegt am Abhang des Größenberges (606 m), aus dem die Fischa mittels einer Grotte mächtig hervortritt, das Dorf Fischau mit Schloss des Erzherzogs Rainer, Militärunterrealschule, Badeanstalt und 1222 Einwohner; nordwestlich an der Piesting und der Staatsbahnlinie Leobersdorf-Gutenstein das Dorf Wöllersdorf mit Munitionsfabrik, Artilleriezeugsdepot, Fabriken für Blech und chemische Produkte, Steinbrüchen und Steinwerkstätten und 1833 Einwohner.

Wiener-Neustadt bei Nacht
Wiener-Neustadt bei Nacht

Die Stadt wurde 1192 von Herzog Leopold VI. (VII.), dem Glorreichen, gegründet und führt den Titel: „Die allezeit getreue„. Am 21. August 1467 gebot hier Kaiser Friedrich III. einen fünfjährigen Landfrieden. Am 13. Juni 1486 wurde Wiener Neustadt vom König Matthias Corvinus von Ungarn erobert, aber 1490 an Maximilian wieder übergeben, 1529 und 1683 von den Türken belagert. Am 5. Juli 1609 erlangten hier die evangelischen Stände Österreichs von Kaiser Rudolf II. den Majestätsbrief.

Wiener-Neustadt, Panorama
Wiener-Neustadt, Panorama

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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