Pola, Piazza Foro

Pola

Stadt im Kaisertum Österreich, Markgrafschaft Istrien (Küstenland) und Hauptkriegshafen der österreichisch-ungarischen Monarchie

Pola 36.227 (als Gemeinde 45.205) Einwohner (1905)

Pola, Piazza Fora
Pola, Piazza Fora

Pola (Pula)

Pola (serbokroatisch Pula) ist eine Stadt im Kaisertum Österreich, Markgrafschaft Istrien (Küstenland), an der Westküste der Halbinsel, nahe ihrer Südspitze, im Innern einer Bucht, die den geräumigen und sichern Hafen von Pola bildet, an der Staatsbahnlinie Triest-Pola gelegen, ist der Hauptkriegshafen der österreichisch-ungarischen Monarchie und eine Festung ersten Ranges. Im Jahr 1900 leben hier unter Einschluss der 7657 Militärpersonen 36.227 (als Gemeinde 45.205) Einwohner, davon 24.056 mit italienischer, 10.388 mit serbokroatischer und 4654 mit deutscher Umgangssprache.

Vor der Hafeneinfahrt liegen die Brionischen Inseln, mit dem Festlande den breiten Kanal von Fasana bildend, der als Außenhafen von Pola dient. Der eigentliche Hafen zieht sich in einer Ausdehnung von 5,5 km zuerst nach Südosten, dann nach Nordosten, hat eine Fläche von 8,5 km² und enthält vier kleine Inseln, darunter die Oliveninsel. Gegenüber dieser Insel erhebt sich am Ostufer des Hafens die alte Stadt um den Fuß eines Hügels, der mit einem Kastell von 1630 gekrönt ist. Ringsherum gruppieren sich die übrigen neu angelegten Stadtteile. Südwestlich erstreckt sich das Ufer entlang das Seearsenal, ein großer Komplex von Werkstätten und Magazinen, der durchschnittlich 3000 Arbeiter beschäftigt, mit einem Marinemuseum und Waffensaal. Hierzu gehört auch die erwähnte Oliveninsel mit Schiffswerften, Trocken- und Schwimmdock. Hinter dem Arsenal befindet sich der Stadtteil San Policarpo mit der neuen, schönen Marinegarnisonkirche Madonna del Mare, einer Basilika mit Glockenturm, ferner der Marinekaserne, den Marineschulen, einem Spital und einem Park mit dem Denkmal des ehemaligen Marinekommandanten Erzherzog Maximilian (eine Säule mit Schiffsschnäbeln und einer Viktoria).

Pola, Stadtplan 1911
Pola, Stadtplan 1911

Zwischen der Stadt und San Policarpo liegt der Monte Zaro, der das hydrographische Amt mit Seewarte etc. enthält. In dem Park vor diesem Gebäude steht das Denkmal des Admirals Tegetthoff (von Kundmann, 1877). Das nördliche Ufer des Hafens entlang liegen die Artillerielaboratorien und Pulvermagazine, am nordöstlichen Ufer der Bahnhof, von dem Gleise längs des Kais zum Seearsenal sowie über eine eiserne Brücke zur Oliveninsel führen. Der nördliche Teil des Hafenbeckens zwischen der Oliveninsel, dem Bahnhof und dem Stadtkai dient als Handelshafen, der südliche Teil als Kriegshafen. Die dominierenden Hügel rings um die Stadt und den Hafen sind mit 28 Forts besetzt. Die Forts Maria Luise und Punta Christo verteidigen die Einfahrt in den Hafen; auf der Südseite der Hafenbucht liegen die Forts Musil, Max, Stoja, Bourguignon, Verudella und Cassoni, auf der Nordseite die Forts Monte Grosso, Castellier, Cerella, San Giorgio, östlich von der Stadt die Forts Mouvidal und San Michele. Auf der Brionischen Insel erhebt sich das Fort Tegetthoff nebst anderen Werken. Die wichtigsten Forts sind mit Panzertürmen versehen.

Pola, Tegetthoff-Monument
Pola, Tegetthoff-Monument

Die eigentliche Stadt besitzt an bemerkenswerten Bauten einen Dom (dreischiffige Basilika mit antiken Säulen) von 1451, das ehemalige Kloster San Francesco (jetzt Militärmagazin) mit romanischem Portal und schönem Kreuzgang, das Admiralitätsgebäude, das Stadthaus (13. Jahrhundert), das Theater und das Marinekasino. Bedeutend sind die Denkmäler aus der Römerzeit. Die Porta Aurea ist ein zierlicher, 8,5 m hoher, von der Familie der Sergier errichteter Triumphbogen, mit korinthischen Säulen, Basreliefs und zwei Viktorien. An der Nordseite des Kastellhügels befinden sich die Porta Ercole (Herculea) und das eigentliche Haupttor, die Porta Gemina (Jovia). Das großartigste Werk ist aber das Amphitheater, wahrscheinlich 69–89 n. Chr. von Vespasian ausgeführt, oval, 137,4 Meter lang, 110,5 Meter breit und 24 Meter hoch, aus weißem Kalkstein erbaut, in zwei Ordnungen je 72 Bogen enthaltend, von denen jedoch in der untern Reihe 32 zum Teil oder ganz wegfallen, da sich das Gebäude im Osten an einen Hügel lehnt. Gegenwärtig steht nur die äußere Umfassung noch aufrecht. Das Amphitheater fasste ca. 20.000 Menschen. Am großen Platz, dem alten Forum, befindet sich der Tempel des Augustus und der Roma (19 v. Chr.), 8,3 Meter hoch, 15,7 Meter breit, mit einer Vorhalle von korinthischen Säulen und trefflichen Ornamenten am umlaufenden Fries, und ein angeblich der Diana geweihter Tempel, von dem nur noch die Rückseite erhalten ist.

Pola, Arena
Pola, Arena

Abgesehen von der Beschäftigung bei den Marineanstalten wird hauptsächlich Handel und Steingewinnung betrieben. 1904 sind im Handelshafen von Pola 2614 beladene Schiffe von 593.087 Tonnen eingelaufen. Pola ist Sitz des Hafenadmiralats, des Hafen- und Seearsenalkommandos, einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts, eines Hafenkapitanats und eines Domkapitels; es besitzt ein deutsches Obergymnasium, eine von der Marineverwaltung unterhaltene deutsche Unterrealschule, ein italienisches Mädchenlyzeum, ein städtisches archäologisches Museum, Bibliothek, Sparkasse, ein Marine- und ein Zivilspital und ein Marinegefangenhaus. Pola ist mit einer Wasserleitung, elektrischer und Gasbeleuchtung versehen und hat eine elektrische Straßenbahn, neue Markthallen und eine Seebadeanstalt. Ein beliebter Spaziergang ist der östlich von der Stadt gelegene Kaiserwald.

Pola, K.u.K. Maschinenschule
Pola, K.u.K. Maschinenschule

Die Stadt, am Polaticum promontorium (jetzt Punta di Promontorio) gelegen, nach Beendigung des istrischen Krieges (178 v. Chr.) und dem Falle Nesaktons, dessen Trümmer in der Nähe von Pola zu sehen sind, wie Triest als Militärkolonie von den Römern gegründet, wurde 39 v. Chr. von Augustus zerstört, 33 aber unter dem Namen Pietas Julia wieder aufgebaut und entwickelte sich zum Hauptort Istriens; es war reich an prächtigen Gebäuden (besonders das Amphitheater), hatte Bäder, Aquädukte und eine Bevölkerung von 36.000 Menschen. Besonders begünstigt wurde Pola vom Kaiser Septimius Severus, der früher Statthalter von Istrien gewesen. Zu seiner Zeit führte Pola den stolzen Namen einer Respublica Polensis und erreichte damals seine höchste Blüte. Im Mittelalter Vorort Istriens und als ehemalige Römer-, dann mittelalterliche Bischofsstadt im Besitz eines bedeutenden Territoriums, einer Contea (Grafschaft), wurde es 1148 von den Venezianern, 1192 von den Pisanern und dann wieder von den Venezianern erobert. Infolge einer Empörung wurde die Stadt 1267 abermals verwüstet. 1379 erfochten die Genuesen bei Pola einen Seesieg über die Venezianer und zerstörten die Stadt vollständig. Mit Istrien kam sie 1797 an Österreich.

Erzherzog Karl Franz Josef auf S.M.S. Viribus Unitis
Erzherzog Karl Franz Josef auf S.M.S. Viribus Unitis

Als sich am Ende des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) am 29. Oktober 1918 der neue südslawische Staat (das spätere Jugoslawien) bildete und Österreich-Ungarn dadurch seinen Zugang zum Meer verlor, ordnete Kaiser Karl I. am 30. Oktober an, die k.u.k. Kriegsflotte den Südslawen zu übergeben. Am 31. Oktober 1918 nahm Konteradmiral Horthy in Pola befehlsgemäß die Übergabe vor: Die österreichische Kriegsflagge wurde eingeholt, die südslawische aufgezogen, südslawische Marineoffiziere übernahmen das Kommando. Dennoch wurde das Schlachtschiff S.M.S. Viribus Unitis, das nunmehr „Jugoslavia“ hieß und nach wie vor der Stolz der Flotte war, am 1. November 1918 um 6 Uhr früh von zwei italienischen Kampfschwimmern versenkt, die mittels eines umgebauten Torpedos Sprengsätze am Rumpf verteilt und gezündet hatten. Über 400 Seeleute starben, darunter auch der letzte Kommandant des Schiffes, Janko Vukovic de Podkapelski; zu seinen und der anderen Gefallenen Ehre wurde in Pola eine Gedenktafel angebracht.

S.M.S. Viribus Unitis
S.M.S. Viribus Unitis

Nach dem Waffenstillstand vom 3. November 1918 wurde Pola bis zum 9. November von italienischen Truppen besetzt, die die Flotte übernahmen, und kam durch den Vertrag von Saint-Germain und weitere Friedensverträge 1919 ebenso wie ganz Istrien zu Italien.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges (19139 – 1945) wurde die Stadt im Mai 1945 von jugoslawischen Truppen eingenommen und wie fast ganz Istrien der jugoslawischen Teilrepublik Kroatien angeschlossen, was im italienisch-jugoslawischen Pariser Friedensvertrag von 1947 bestätigt wurde. Ein Großteil der italienischen Bevölkerungsgruppe verließ daraufhin die Stadt Richtung Italien. 30.000 der 34.000 Italiener wählten das Exil. Dazu beigetragen hat das Massaker von Vergarola. Am 18. August 1946 explodierten in der Nähe des Strandes in der Bucht von Vergarola bei Pula während des Fests eines italienischen Sportclubs in einem Pinienwald gelagerte Minen, die schon entschärft worden waren, mit neun Tonnen Sprengstoff. Die Explosion wurde dem jugoslawischen Geheimdienst OZNA angelastet und forderte 65 registrierte, wahrscheinlich deutlich mehr Todesopfer.

Pola, Schiffe in I. Reserve
Pola, Schiffe in I. Reserve

Wie ganz Kroatien war Pula bis 1991 Teil Jugoslawiens. Die Pula vorgelagerte Insel Brioni bzw. Brijuni erlangte internationale Bekanntheit, weil der jugoslawische Staatschef Marschall Tito dort seine Sommerresidenz einrichtete, wo er von Staatsmännern aus aller Welt besucht wurde.

Pola (Pula) ist heute eine Stadt in Kroatien.

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Eine Degression.
    Pola oder Pula auf kroatisch.
    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis das es keine Sprache gibt die man serbokroatisch nennen kann. Entweder kroatisch oder serbisch, wenn die Rede um Pula ist dann bitte kroatisch.

    Mit freundlichen Grüßen

    1. Ich zitiere aus Wikipedia:
      „Erstmals wurde der Begriff Serbokroatisch im Jahr 1824 von Jacob Grimm im Vorwort seiner Übersetzung der Kleinen Serbischen Grammatik von Vuk Stefanović Karadžić erwähnt. Einige Jahre später, 1836, wurde dieser Ausdruck erneut vom Philologen Jernej Kopitar in einem Brief benutzt. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Serbokroatisch die offizielle gemeinsame Standardsprache der Serben, Kroaten, Bosniaken und Montenegriner. Diese Entwicklung wurde von den Behörden Österreich-Ungarns gefördert, vor allem von den Kroaten aber auch teilweise abgelehnt. Offiziell wurde die Bezeichnung von 1921 bis etwa 1993 als Dachsprache für die Dialekte von Serben, Kroaten, Bosniaken und Montenegrinern verwendet.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Serbokroatische_Sprache

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