Kolin

Kolin in Böhmen, Ansicht
Kolin in Böhmen, Ansicht

Kolin in Böhmen im Kaisertum Österreich, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Kolin 15.025 Einwohner (1900)

Kolin in Böhmen, Náměstí (Marktplatz)
Kolin in Böhmen, Náměstí (Marktplatz)

Kolin in Böhmen im Kaisertum Österreich

Kolin (Neukolin) ist eine Stadt in Böhmen im Kaisertum Österreich.

Böhmen, Nationalitäten- und Sprachen-Karte 1900 (Prof. Hickmann's geographisch-statistischer Taschenatlas von Österreich-Ungarn)
Böhmen, Nationalitäten- und Sprachen-Karte 1900 (Prof. Hickmann’s geographisch-statistischer Taschenatlas von Österreich-Ungarn)

Kolin liegt links an der Elbe, die hier zwei Inseln bildet und über die zwei eiserne Brücken führen, sowie an den Linien WienPrag-Bodenbach der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahn, Wien-Tetschen der Nordwestbahn und Kolin-Čerčan-Pišely der Staatsbahnen. Kolin ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine gotische St. Bartholomäuskirche aus dem 14. Jahrhundert, eine evangelische Kirche, Synagoge, Schloß, Rathaus, ein Real- und Obergymnasium.

Kolin in Böhmen, Celkový pohled (Totalansicht)
Kolin in Böhmen, Celkový pohled (Totalansicht)

Weiterhin eine Handels- und eine Handwerkerschule, eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, 2 Zuckerfabriken, 2 Maschinenfabriken, eine Wagenfabrik, eine Spiritus-, eine Traubenzucker-, eine Chemikalien- und Kunstdüngerfabrik, 3 Fabriken für andere chemische Produkte, eine Petroleumraffinerie, eine Dachpappen-, eine Kaffeesurrogat- und eine Kanditenfabrik, eine Dampfsäge, 2 Kunstmühlen, 2 Bierbrauereien, vortrefflichen Obst- und Gemüsebau, und lebhaften Handel. Im Jahr 1900 leben in Kolin 15.025 tschechische Einwohner.

Kolin in Böhmen, Celkový pohled (Totalansicht)
Kolin in Böhmen, Celkový pohled (Totalansicht)

Die Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757 während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763)

Am 18. Juni 1757 fand bei Kolin die berühmte Schlacht zwischen den Preußen unter König Friedrich II. und den Österreichern unter Daun statt. Nach dem Sieg der Preußen bei Prag am 6. Mai wurden 44.000 Österreicher unter dem Prinzen von Lothringen in der Hauptstadt Böhmens belagert. Das Heer des Feldmarschalls Daun, am Tage der Schlacht 30.000 Mann stark, war bis Goltsch-Jenikau zurückgewichen, hatte sich aber bis auf 54.000 Mann verstärkt. Auf direkten Befehl aus Wien, zum Entsatz Prags eine Schlacht zu wagen, ging Daun am 12. Juni wieder vor und Bevern mit nur 20.000 Mann zog sich vor ihm bis Planian zurück. Da verließ der König mit 13.000 Mann des Einschließungsheeres Prag und vereinigte sich mit dem Herzog von Bevern. Mit 18.000 Mann zu Fuß und 13.000 Reitern rückte der König den Österreichern entgegen und traf sie am 18. Juni in einer durch Schluchten, Hohlwege und sumpfige Wiesen gedeckten Stellung bei Krichnow, mit dem rechten Flügel bei Kretschor, dem linken bei Bositz, südlich der großen Kaiserstraße. Friedrich II. befahl, den Marsch auf der Kaiserstraße nach Kolin so lange fortzusetzen, bis seine Spitzen den rechten österreichischen Flügel umfassen könnten.

Kolin, Denkmal an die Schlacht von 1757
Kolin, Denkmal an die Schlacht von 1757

Dann sollte Zieten die Reiterei auf diesem Flügel werfen, Hülsen mit dem Fußvolk der Avantgarde Kretschor nehmen und, wenn dies geschehen, Prinz Moritz von Dessau mit dem linken Flügel angreifen, der rechte Flügel aber nördlich der Kaiserstraße für weitere Verwendung stehen bleiben. Um 2 Uhr begann die Schlacht: Zieten schlug die feindliche Reiterei unter Nádasdy, Hülsen nahm Kretschor, aber bei dem weiter links liegenden Eichbusch kam das Gefecht zum Stehen und die erschöpften Bataillone bedurften dringend der Hilfe des Prinzen Moritz. Dieser wandte sich zu weit rechts gegen Dauns Hauptfront, so dass, um die Lücke zwischen Moritz und Hülsen auszufüllen, die Reserve hervorgezogen werden musste. Gleichzeitig begann General Manstein bei Chotzenitz gegen den ausdrücklichen Befehl des Königs ein Gefecht mit den Kroaten. Daun wollte schon die Schlacht abbrechen, beschloss aber doch in Anbetracht seiner Überlegenheit auszuharren. Die Preußen, die kein frisches Bataillon mehr hatten, konnten die errungenen Vorteile nicht behaupten, Zieten kam nicht rechtzeitig mit der Reiterei zu Hilfe, und um 4 Uhr nachmittags griff zuerst Oberstleutnant von Benkendorf mit sächsischen Dragonern das erschütterte preußische Fußvolk mit Erfolg an. Seinem Beispiel folgten noch mehrere Reiterregimenter, welche die Bataillone Hülsens und des Prinzen Moritz von allen Seiten umfassten. Der König sammelte 400 Mann und führte sie gegen eine Batterie, aber auch sie verliefen sich. Als er sich allein sah, befahl er den Rückzug, der unter Zietens Schutz unbelästigt vollführt wurde. Aber nur 6000 Mann waren noch beisammen, 14.000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen, 29 Fahnen, 43 Geschütze waren verloren; der Verlust der Österreicher betrug 8000 Mann. Die Aufhebung der Belagerung von Prag und die Räumung Böhmens war die nächste, das Eingreifen der österreichischen Verbündeten in den Krieg die weitere Folge der Schlacht. Maria Theresia datierte die Stiftung des nach ihr benannten Ordens von diesem denkwürdigen 18. Juni 1757.

Kolin (tschechisch Kolín) ist heute eine Stadt in der Tschechischen Republik.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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