Oliva

Oliva, Schloss
Oliva, Schloss

Oliva in Westpreußen im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Oliva 6894 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Oliva, Schloss und Kirche
Oliva, Schloss und Kirche

Neben dem Ort Oliva im Deutschen Reich (Kaiserreich) existieren in Spanien:

  1. Oliva, eine Stadt in Spanien, Provinz Valencia, Bezirk Gandia, unweit des Mittelmeers, an der Eisenbahn Carcagente-Denia, hat ein Schloss der Herzoge von Gandia, Seidenraupenzucht, Wein-, Öl-, Orangen- und Reisbau und im Jahr 1900 = 7956 Einwohner.
  2. Oliva de Jerez, eine Stadt in Spanien, Provinz Badajoz, Bezirk Jerez de los Caballeros, unweit der portugiesischen Grenze, mit Woll- und Leinweberei und im Jahr 1900 = 8348 Einwohner.

Oliva in Westpreußen im Königreich Preußen

Oliva ist ein Flecken und Luftkurort im Königreich Preußen, Provinz Westpreußen, Regierungsbezirk Danzig, Kreis Danziger Höhe.

Landkarte Westpreussen
Landkarte Westpreussen

Oliva liegt am Fuß des 107 m hohen, aussichtsreichen Karlsbergs und an der Staatsbahnlinie Belgard-Danzig, 30 Meter über dem Meer.

Danzig, Oliva, Zoppot, Umgebung 1913
Danzig, Oliva, Zoppot, Umgebung 1913

Oliva hat eine evangelische und eine schöne katholische Kirche, von denen letztere zu der ehemaligen sehr reichen Cistercienserabtei Oliva gehörte, mit großer Orgel, ein königliches Schloss (ehemals Abtei) nebst Park, ein Feierabendhaus für Lehrerinnen, eine Armen- und Arbeitsanstalt, ein Waisenhaus, eine Oberförsterei, Eisenhämmer, Dachpappen-, Seifen- und Zementfabrikation, Ziegelbrennerei, Kunstgärtnerei und bedeutende Müllerei.

Oliva, Hotel Karlsberg mit Aussichtsturm
Oliva, Hotel Karlsberg mit Aussichtsturm

Im Jahr 1905 leben in Oliva 6894 Einwohner, der Großteil sind Katholiken, 2713 sind Evangelische. Die Abtei, 1170 vom Herzog Sobjeslaw I. von Pommerellen gegründet, wurde später mehrfach zerstört (1224 von den heidnischen Preußen, 1432 von den Hussiten, 1576 von den Danzigern) und 1829 aufgehoben. Der hier am 3. Mai 1660 geschlossene Friede beendete den schwedisch-polnischen Krieg zwischen den Schweden, Polen, dem Kaiser und dem Großen Kurfürsten von Brandenburg.

Oliva, Strauchmühle
Oliva, Strauchmühle

Johann Kasimir, König von Polen, verzichtete auf Schweden und überließ diesem das nördliche Livland, Estland und die Insel Ösel, während Schweden auf Kurland verzichtete und beide Teile die Souveränität Preußens anerkannten. Dänemark schloss darauf ebenfalls mit Schweden den ungünstigen Frieden zu Kopenhagen vom 27. Mai 1660 ab.

Oliva, Strauchmühle
Oliva, Strauchmühle

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1945) wurde die fast ausschließlich von Deutschen bewohnte Stadt Danzig (seit 1237 deutsches Stadtrecht) am 10. Januar 1920 ohne Plebiszit und gegen den ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung durch den Versailler Vertrag zur „Freien Stadt Danzig“ erklärt. Zum Gebiet der „Freie Stadt Danzig“ gehörten die Städte Danzig und Zoppot sowie die Orte Tiegenhof, Neuteich, Oliva und Ohra.

Oliva, Schloss
Oliva, Schloss

Die Stadt steht unter dem „Schutz“ des Völkerbundes in enger wirtschaftlicher Verbindung mit Polen. Die Polen versuchen in den folgenden Jahren die Stadt mit allen Mitteln unter ihre vollständige Kontrolle zu bringen. 1926 wird die Ortschaft Oliva zur Stadt Danzig eingemeindet. Der Konflikt um Danzig mündet 1939 schließlich in den Krieg gegen Polen. Im September 1939 wurde Danzig wieder ein Teil Deutschlands. Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945), im März 1945 kommt es zur Eroberung der Stadt durch die Rote Armee.

Oliva, Königlicher Garten
Oliva, Königlicher Garten

Danzig, durch Luftangriffe zu etwa 30% zerstört, wird nun zu 90% in Schutt und Asche gelegt. Nach der Einnahme kam zu zahlreichen Grausamkeiten gegen die Bevölkerung und Brandstiftungen in der ganzen Stadt. Die Einwohner wurden, soweit nicht vorher geflohen, ermordet, verschleppt bzw. vertrieben. Danzig und Zoppot werden unter polnischer Verwaltung gestellt, die Polen nennen die Städte nun Gdansk und Sopot.

Deutsches Reich 1939, 1 Reichsmark
Oliva, Deutsches Reich 1939, 1 Reichsmark

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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