Herford

Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Minden

Herford 28.831 Einwohner – 1905 = 144. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Herford, Marktplatz mit Kriegerdenkmal
Herford, Marktplatz mit Kriegerdenkmal

Herford

Herford ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Minden, ehemals Residenz einer aus fürstlichem Geschlecht erwählten Äbtissin und Hansestadt, liegt am Einfluss der Aa in die Werre und 72 Meter über dem Meer. Sie ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Wustermark-Hamm, Herford-Altenbeken und mehrerer Kleinbahnen.

Herford hat 6 evangelische Kirchen, darunter die romanische Münsterkirche, die gotische Marienkirche auf einer Anhöhe vor der Stadt, eine katholische Kirche, Synagoge, ein Wittekinddenkmal, Gymnasium, Landwirtschafts- und Realschule, evangelisches Schullehrerseminar, 2 Waisenhäuser, Theater, Strafanstalt, Altertumsmuseum, ein Amtsgericht, eine Nebenstelle der Reichsbank und Spezialkommission. An Industrie sind vertreten Flachs- u. Wergspinnereien, Leinenhandel, Fabrikation von Baum woll- und Konfektionswaren, Wäsche, landwirtschaftlichen Maschinen, Nähmaschinen, Möbeln, Zigarren, Teppichen und Zuckerwaren. Im Jahr 1900 leben hier 25.109 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 2111 sind Katholiken und 288 Juden.

Die Stadt verdankt ihren Ursprung dem ehemaligen Frauenstift, einer Benediktinerabtei, die um 838 unter König Ludwig dem Frommen gegründet wurde. Sie stand anfangs unter der Aufsicht des Klosters Korvei. Die Stadt trat der Hanse bei und nahm 1530 die Reformation an. Sie war ursprünglich der Äbtissin des Frauenstifts untertan, die 1547 ihre Rechte dem Herzog von Jülich übertrug. Nach dem Aussterben der Herzoge von Jülich (1609) bemühte sie sich um die Reichsfreiheit und wurde 1631 vom Reichskammergericht als Reichsstadt anerkannt.

Doch wurde sie 1647 und abermals 1652 von Brandenburg genommen und behauptet. An dem Tage der Schlacht bei Minden, am 1. August 1759, schlug hier der Erbprinz von Braunschweig die Franzosen unter dem Herzog von Brissac. Unter den Äbtissinnen ist die berühmteste Elisabeth von der Pfalz (1667–80), die philosophische Prinzessin, Schülerin des Cartesius, unter der eine Zeitlang die Sekte der Labadisten in Herford wohnte. Das Stift wurde 1803 säkularisiert, fiel an Preußen und kam nebst der Stadt an dieses nach der kurzen westfälischen Herrschaft (1807–13) wieder zurück.