S.M.S. Breslau (1911)

Kleiner Kreuzer der Kaiserlichen Marine

S.M.S. Breslau, Kleiner Kreuzer
S.M.S. Breslau, Kleiner Kreuzer

 

Name:Seiner Majestät Schiff Breslau
Namensherkunft:Breslau  - Hauptstadt der preußischen  Provinz Schlesien .
Stapellauf:16.05.1911 in  Stettin  ( Vulcanwerft )
Schiffsklasse:Magdeburg-Klasse
Schwesterschiffe:S.M.S. Stralsund ,  S.M.S. Straßburg , S.M.S. Breslau,  S.M.S. Magdeburg
Besatzung:ca. 373 Mann
Maße:Länge 136 m - Breite 13,3 m - Tiefgang: 5,1 m
Wasserverdrängung:4550 Tonnen
Maximale Geschwindigkeit:27,6 kn
Dampfstrecke:5000 Seemeilen
Kohlenvorrat:1200 Tonnen
Schiffsmaschine:33.500 PS, Germania Turbinen
Bewaffnung:12 Schnellfeuerkanonen Kaliber 10,5 cm, Torpedos, Flak
Ende:1914 Kampf unter türkischer Flagge (neuer Name: "Midilli"), 20.01.1918 nach Minenexplosion gesunken.

 

 

Geschichte:

Die Kleinen Kreuzer der Magdeburg- und Karlsruhe-Klasse erhielten 4 Schornsteine und ein flaches Achterschiff, das Platz für Minen bot.

Der Stapellauf erfolgte am 16. Mai 1911 in Stettin (Vulcanwerft). S.M.S. Breslau wurde am 10. Mai 1912 in Dienst gestellt und zunächst dem Verband der Aufklärungsschiffe zugeordnet. Im November 1912 wurde der Kreuzer der neu gebildeten Mittelmeer-Division zugeteilt.

Während des ersten Balkankriegs 1912/13 zwangen die europäischen Großmächte Montenegro aufgrund österreichisch-ungarischen Drucks 1913 zum sofortigen Rückzug aus der Stadt Skutari, um sie Albanien zu übergeben. Neben britischen, französischen, italienischen, österreich-ungarischen und russischen Truppen, beteiligte sich auch ein Landungskorps S.M.S. Breslau an der Militäraktion.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) gehörte S.M.S. Breslau zusammen mit S.M.S. Goeben zur deutschen Mittelmeer-Division unter dem Kommando von Konteradmiral Souchon.

Wilhelm Anton Souchon

Wilhelm Anton Souchon

Vizeadmiral der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg, Befehlshaber der Mittelmeerdivision.

* 02.06.1864 in Leipzig

† 13.01.1946 in Bremen

 

Die ersten entscheidenden Ereignisse des Seekrieges spielten sich im August 1914 im Mittelmeer ab. Unmittelbar nach Eintritt des Kriegszustandes mit Frankreich, am 4. August 6 Uhr morgens, beschossen die deutsche Kriegsschiffe der Mittelmeerdivision unter dem Kommando von Konteradmiral Souchon S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau die algerischen Truppenverschiffungshäfen Bone und Philippeville hinab. Drei Tage verzögerte sich dadurch das Eintreffen des XIX. Armeekorps in Frankreich.

Die abenteuerliche Fahrt von S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau nach Konstantinopel (dem heutigen Istanbul in der Türkei) hat freilich noch größere Folgen hervorgerufen. Sie hat der Entente das Tor nach dem Schwarzen Meer zugeschlagen und den Zusammenbruch des Russischen Reiches begründet, das auf den anderen Verbindungswegen nicht genug Materialzufuhr erhielt, um widerstandsfähig zu bleiben. Am letzten Friedenstage, dem 4. August vormittags, spürten zwei britische Schlachtkreuzer, beide zusammen erheblich stärker als S.M.S. Goeben, die deutschen Schiffe auf und jagten mit geladenen Geschützen in wenigen Meilen Abstand hinter ihnen her. Auf die funkentelegraphische Bitte um Feuererlaubnis gab Churchill nur eine bedingte Genehmigung: wenn nämlich die deutschen Schiffe französische Truppentransporte angreifen. Beinahe wären also die ersten Schüsse, noch im Frieden, aus britischen Schiffsgeschützen gefallen. Dann hätte Großbritannien die Verletzung der belgischen Neutralität nicht als Vorwand für seine Teilnahme am Kriege nehmen können. So besitzen bereits die ersten Tage der Kriegsgeschichte der S.M.S. Goeben einen Anflug weltgeschichtlicher Bedeutung. Auf der Fahrt zur algerischen Küste erhielt der deutsche Admiral die Nachricht vom Abschluss eines geheimen Bündnisses zwischen Deutschland und der Türkei und den Befehl, nach Konstantinopel zu gehen. Dieser Befehl wurde jedoch in letzter Minute widerrufen. Während des kurzen Aufenthalts in Messina sah sich Admiral Souchon vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt. Er fürchtete, beim Einlaufen in die Adria für die ganze Dauer des Krieges an die wahrscheinlich defensive Haltung der österreichischen Flotte gekettet zu sein. Die Türkei musste dagegen einen Sieg Russlands fürchten und war durch das Erscheinen der deutschen Mittelmeerdivision vielleicht zum Eintritt in den Krieg auf Seiten der Mittelmächte zu bewegen. Souchon entschloss sich gegen den Befehl der deutschen Regierung zu einem kühnen Vorstoß ins Ungewisse.

 

Er brach nach dem östlichen Mittelmeer durch und hoffte, bis zu seinem Eintreffen vor den vorläufig noch gesperrten Dardanellen eine günstige Entscheidung der türkischen Regierung zu erwirken. Der britische Seekriegshistoriker Corbett äußerte später: „Kaum jemals im Seekriege ist eine kühnere und klüger überlegte Entscheidung getroffen worden. So gründlich verwandelte das sehr riskante Wagnis eine verzweifelte Lage in eine solche von hoher moralischer und materieller Überlegenheit, dass es den fundamentalen Fehler der deutschen Staatskunst, den deutschen Einfall in Belgien, aufwiegt.“ Ein solcher Erfolg war nur möglich bei einem gewissen Versagen der feindlichen Führung. Obwohl der britische Befehlshaber in der Adria fünfzehn Kriegsschiffe (vier Panzerkreuzer, einen Kreuzer und zehn Zerstörer) zur Verfügung hatte, zog er sie zurück, als S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau aus Messina ihm entgegenliefen. Erst nachdem die deutschen Schiffe die Südspitze Griechenlands mit Ostkurs passiert hatten, ging der britische Oberbefehlshaber zu ihrer Verfolgung in See. Er kreuzte bis zum 11. August in der Enge zwischen Griechenland und Kreta und erfuhr dort, dass die deutschen Schiffe in die türkischen Meerengen eingelaufen waren.
Die folgenden Wochen und Monate, in denen um den Kriegseintritt der Türkei gerungen wurde, bezeichnet Admiral Souchon als die für ihn schwerste Zeit des Krieges. Am 16. August 1914 wurden S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau von der Türkei angekauft und unter die türkische Flagge gestellt. Sie erhielten die Namen „Sultan Yawus Selim“ und „Midilli“. Admiral Souchon wurde türkischer Flottenchef. Im Oktober beschloss er in stillschweigendem Einverständnis mit Enver Pascha, die russische Flotte im Schwarzen Meer anzugreifen und die Seeherrschaft zu erkämpfen. Am 27. Oktober liefen sämtliche türkischen Schiffe unter Souchons Führung ins Schwarze Meer und beschossen Sewastopol, eine der größten Seefestungen der Erde, Odessa, Noworossijsk und Feodosia. Der Kriegszustand zwischen der Türkei und der Entente trat ein.

S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau standen im Schwarzen Meer der russischen Flotte in Stärke von 5 Linienschiffen, 2 Kreuzern, 9 Zerstörern, 17 Torpedobooten und 11 Unterseebooten gegenüber. Infolge ihrer hohen Geschwindigkeit konnten die beiden deutschen Schiffe sich trotzdem während der ganzen Kriegszeit im Schwarzen Meer fast ungehindert bewegen. Am 18. November 1914 stießen S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau zum ersten Male vor der Halbinsel Krim auf die russische Flotte, die plötzlich in nächster Nähe aus dem Nebel auftauchte. Am 26. Dezember lief S.M.S. Goeben vor dem Bosporus auf eine russische Minensperre und erhielt auf beiden Seiten kurz nacheinander je einen Minentreffer. In Konstantinopel gab es keine Möglichkeit, ein so großes Schiff zur Reparatur zu docken. Man musste deshalb aus Deutschland Baumeister, Arbeiter und Arbeitsmaterial kommen lassen und konnte erst nach mehrmonatiger Vorbereitung an den schwierigen Ausbesserungsprozess herangehen. Während dieser Zeit war S.M.S. Goeben nur beschränkt verwendungsfähig. Sie hatte 600 t Wasser im Schiff und zwei Lecks, von denen das eine 64 Quadratmeter groß war. Um den Russen zu zeigen, dass S.M.S. Goeben trotzdem kampffähig sei, ging Admiral Souchon am 7. Februar mit ihr ins Schwarze Meer und ließ Jalta und Batum durch S.M.S. Breslau beschießen. Im März 1915 konnte endlich die Reparatur der Minenlecks durchgeführt werden. Zwei Kästen, die sich der Schiffsform genau anpassten, wurden außen am Schiff herabgelassen, über das Leck geschoben und leergepumpt. Am 28. März war das Leck an Backbord gedichtet. S.M.S. Goeben ging nun trotz des unreparierten Steuerbordlecks zunächst in See, sie stieß im Schwarzen Meer bis zur Halbinsel Krim vor und erwartete vor Sewastopol die feindliche Flotte, die sich jedoch in achtungsvoller Entfernung hielt und kein Artilleriegefecht zustande kommen ließ. Erst im Mai war auch das zweite Leck repariert, nach vier Monate langer Arbeit.

Im Oktober 1915 zeigte sich zum ersten Male eins der neuen Großkampfschiffe der russischen Flotte, Imperatriza Maria, bei den Kriegsoperationen. Durch seine Fertigstellung wurde die bisherige Vormachtstellung der S.M.S. Goeben erheblich beeinträchtigt. Bei dem ersten Zusammenstoß mit dem gewaltigen neuen Schiff stellte sich heraus, dass es eine ungewöhnlich hohe Geschützreichweite von 24 bis 25 km besaß, und dass es fast die gleiche Geschwindigkeit wie S.M.S. Goeben erreichte. Obwohl die Übermacht der Russen durch die Fertigstellung weiterer Großkampfschiffe, Zerstörer und Unterseeboote erdrückend wurde, vermochten sie bis zu ihrem Zusammenbruch die Seeherrschaft im Schwarzen Meer nicht zu erringen. Am 15. Dezember 1917 fand die Kriegstätigkeit im Schwarzen Meer mit Abschluss des Waffenstillstandes mit Russland ein Ende. Nach drei Jahren erfolgreicher Kriegsfahrten kam nun am 20. Januar 1918 ein schwarzer Tag für die deutschen Schiffe in der Türkei. Bei einer Unternehmung gegen den britischen Stützpunkt Imbros im Mittelmeer gerieten S.M.S. Goeben und S.M.S. Breslau auf Minensperren. S.M.S. Breslau ging mit dem größeren Teil ihrer Besatzung (330 Tote) unter, S.M.S. Goeben erhielt drei Minentreffer, vermochte aber die Dardanellen zu erreichen und lief in den Meerengen auf eine Sandbank. Sechs Tage saß das Schiff dort unbeweglich unter den Bombenwürfen britischer Flieger. Am siebenten Tage gelang nach Überwindung ungewöhnlicher Schwierigkeiten ein letzter Abschleppversuch. Von 180 britischen Bomben hatten glücklicherweise nur zwei getroffen. S.M.S. Goeben war gerettet, aber aufs schwerste beschädigt. Trotz drei riesigen Lecks, die bis zum Ende des Krieges nicht mehr repariert werden konnten, blieb das Schiff fahrbereit, zu Offensivunternehmungen im Mittelmeer aber nicht mehr verwendbar. Im April 1918 nahm S.M.S. Goeben an der Besetzung der Festung Sewastopol und der Halbinsel Krim teil. Zum ersten Male seit 4 ½ Jahren wurde das Schiff in Sewastopol eingedockt. Man überholte den Schiffsboden nur notdürftig und verzichtete auf Arbeiten an den drei unreparierten Minenlecks. Die russische Flotte des Schwarzen Meeres, einst ein unbesiegbarer Gegner, war nun teils vernichtet, teils entwaffnet oder besetzt und als militärischer Faktor ausgeschieden. Die deutsch-türkische Herrschaft im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer war bis Kriegsende gesichert.

Nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte und dem Abschluss des türkischen Waffenstillstands übergab der deutsche Admiral S.M.S. Goeben der türkischen Marine, wie es für das Ende des Krieges vorgesehen war. Die ehemalige Goeben wurde erst 1928, nach dem Bau eines geeigneten Schwimmdocks, gedichtet und repariert und war 1930 wieder voll fahrbereit. Erst 1973, als letztes Schiff der ehemaligen Kaiserlichen Marine, wurde es verschrottet.

 

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