Krefeld

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf

Krefeld 110.410 Einwohner – 1905 = 39. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Krefeld, Rheinstraße
Krefeld, Rheinstraße

Krefeld (Crefeld)

Krefeld (Crefeld) ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf, liegt links am Rhein und 38 Meter über dem Meer. Sie ist regelmäßig gebaut, hat mehrere große Plätze, darunter der Friedrichsplatz mit dem Krieger- und der Bismarckplatz mit dem Denkmal Bismarcks, schöne Anlagen mit den Denkmälern des Komponisten der „Wacht am Rhein“ Karl Wilhelm und Moltkes. Krefeld besitzt 6 katholische und 4 evangelische Kirchen (darunter die gotische Friedenskirche mit 73 m hohem Turm und die neue, im romanischen Stil erbaute St. Josephskirche), außerdem eine Kapuziner-, eine Alexianer-, eine altkatholische und eine Mennonitenkirche und eine Synagoge.

Von den öffentlichen Gebäuden ist besonders das mit großen Wandgemälden geschmückte Rathaus und das Kaiser Wilhelm-Museum mit Marmorstandbild Kaiser Wilhelms I. von Gust. Eberlein zu erwähnen. Im Jahr 1900 leben hier 106.893 Einwohner, davon 22.117 Evangelische, 81.596 Katholiken und 1788 Juden. Krefeld ist Mittelpunkt der deutschen Seiden- und Samtfabrikation (Zeug und Band). 1903 waren dafür aufgestellt 12.669 mechanische Stühle, konditioniert wurden 523.582 kg Seide. Der Umschlag betrug in Samtwaren 22.144.821, in Seiden- und Halbseidenwaren 57.827.964 Mark. Bedeutend ist auch die Samt- und Seidenfärberei. Ansonsten hat Krefeld noch Baumwollspinnerei, Bleicherei, Eisengießerei, Teppich-, Krawatten-, Maschinen-, Seifen-, Sprit-, Zellulose- und chemische Fabriken, Kesselschmiederei, eine Eisenbahnhauptwerkstätte, Bierbrauerei, Gerberei, ein Elektrizitätswerk etc. Den Handel unterstützen eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 2120,1 Millionen Mark), die Bergisch-Märkische und die Krefelder Bank, eine Filiale des Schaaffhausenschen Bankvereins und andere Geldinstitute.

Den Verkehr in der Stadt und mit der Umgegend vermittelt eine elektrische Bahn. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Köln-Zevenaar, Krefeld-Rheydt und M.-Gladbach-Ruhrort, der Eisenbahn Viersen-Süchteln und der Kleinbahn Düsseldorf-Krefeld. Ein großer Rheinhafen, bestehend aus Industrie- und Handelshafen, mit Bahnverbindung nach Krefeld, ist (1905) im Bau. Krefeld hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, Oberrealschule, Realschule, 2 Lehrerinnenseminare (ein katholisches, ein paritätisches), eine höhere Fachschule für Textilindustrie, Färberei- und Appreturschule (mit Wandgemälden von Professor Baur in Düsseldorf, die Entwickelung der Seidenindustrie darstellend), Handelsschule, gewerbliche und Kunstgewerbeschule, landwirtschaftliche Winterschule, ein Konservatorium für Musik, ein Museum, ein Theater, Kapuzinerkloster, 3 Waisenhäuser, eine Alexianeranstalt für Irrenpflege etc. und ist Sitz eines Landratsamts (für den Landkreis Krefeld), eines Amtsgerichts und eines Hauptsteueramts.

Die städtischen Behörden bestehen aus dem Oberbürgermeister, 4 besoldeten Beigeordneten und 33 Stadtverordneten, darunter 3 unbesoldete Beigeordnete. Die städtischen Einnahmen betrugen 1903: 46,2 Millionen, die Ausgaben 44,6 Millionen, das Vermögen 43,9 Millionen, die Stadtschuld 28,2 Millionen Mark. In der Nähe befindet sich das Hülser Bruch mit einer Mineralquelle. Krefeld wird erstmals 1166 erwähnt, war ehemals ganz von kurkölnischem Gebiet umgeben, gehörte zum Fürstentum Mörs und kam mit diesem 1702 an Preußen. Kaiser Karl IV. gab dem Ort 1361 Marktrecht und erhob ihn 1373 zur Stadt. Das nahegelegene Schloss Cracau wurde 1677 geschleift. Den Anfang ihrer Blüte hat die Stadt den Religionsverfolgungen des 17. und 18. Jahrhunderts zu danken, infolge deren sich aus den Herzogtümern Jülich und Berg eine Menge Reformierte und Separatisten, später auch Mennoniten, hierher flüchteten. Hier (beim Dorfe Fischeln) siegten am 23. Juni 1758 die Alliierten unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig über die Franzosen unter Clermont.