Znaim, Stadtansicht

Znaim

Znaim in Mähren im Kaisertum Österreich, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Znaim 16.239 Einwohner (1900)

Znaim mit Thayatal
Znaim mit Thayatal

Znaim in Mähren im Kaisertum Österreich

Znaim (tschechisch Znojmo) ist eine Stadt mit eigenem Statut im Kaisertum Österreich, Markgrafschaft Mähren.

Znaim liegt 289 Meter über dem Meer, am linken, steil abfallenden Ufer der Thaya, an der Linie Wien-Tetschen der Österreichischen Nordwestbahn, welche die Thaya mit einem 220 m langen, 45 m hohen Viadukt überschreitet, und an der Linie Grußbach-Znaim der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahn gelegen.

Znaim, Stadtansicht
Znaim, Stadtansicht

Znaim hat eine gotische Pfarrkirche (St. Nikolaus von 1348), ein Dominikanerkloster (1222 gegründet), ein gotisches Rathaus mit 80 m hohem Turm (1445), Reue der Burg der mährischen Markgrafen (jetzt Kaserne) mit einer romanischen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert (sogenannte Heidentempel, mit alten Wandmalereien), schöne Anlagen (an Stelle der ehemaligen Festungswerke) und Denkmäler des Schriftstellers Karl Postl (Charles Sealsfield) und des Obersten Kopal (Siegers am Monte Berico 1848).

Znaim, Nikolaikirche, Wenzelkapelle
Znaim, Nikolaikirche, Wenzelkapelle

Im Jahr 1900 leben in Znaim 16.239 meist deutsche Einwohner (1854 Tschechen). Znaim hat starken Wein-, Obst- und Gemüsebau, bedeutende Fabrikation von Tonwaren, ferner von Leder, Essig, Spiritus, Gurkenkonserven und Stöcken, Bierbrauereien, eine Dampfmühle, Elektrizitätswerk und lebhaften Handel. Die Stadt ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft (Znaim-Umgebung) und eines Kreisgerichts und hat ein deutsches Staatsobergymnasium, eine deutsche Landesoberrealschule,

Znaim, Carolinenberg
Znaim, Carolinenberg

eine Fachschule für Tonindustrie, eine Acker- und Weinbauschule, Mädchenlyzeum, Museum und Theater, ferner eine Landeszwangsarbeitsanstalt, ein Krankenhaus und eine Sparkasse. Südlich von Znaim liegt Klosterbruck (tschech. Louka) mit ehemaliger Prämonstratenserabtei (jetzt Kaserne) und 1156 Einwohner; 1 km westlich Pöltenberg (tschech. Hradistě) mit Propstei und Kirche (schöne Fresken von Maulpertsch) des Kreuzherrenordens und 400 Einwohner.

Znaim, Partie aus dem Thayatale
Znaim, Partie aus dem Thayatale

Znaim, seit 1055 neben Olmütz und Brünn der Sitz eines Teilfürstentums der Přemysliden, erhielt schon Ende des 12. Jahrhundert deutsche Bevölkerung, wurde unter König Přemysl Ottokar II. mit wichtigen Privilegien begabt, die später 1278 von König Rudolf bestätigt wurden. Hier schloss am 18. August 1308 Friedrich von Österreich mit Heinrich von Kärnten einen Frieden, in dem er den Rechten auf Böhmen entsagte; hier verbündeten sich am 18. Dezember 1393 Siegmund von Ungarn, Jobst von Mähren und Albrecht III. von Österreich gegen König Wenzel. Ende des 14. Jahrhunderts und in den Hussitenkämpfen wurde Znaim schwer heimgesucht.

Znaim, Stadtansicht
Znaim, Stadtansicht

Hier starb Kaiser Siegmund am 9. Dezember 1437. Im 16. Jahrhundert herrschte hier der evangelische Glaube, wie in wenigen Städten Mährens, und hielt sich bis zum Beginn der Gegenreformation. Einen historischen Namen gewann die Stadt durch den Vertrag vom April 1632 zwischen Kaiser Ferdinand II. und Wallenstein. 1742 von Friedrich dem Großen besetzt, war es vom 17. November 1805 bis zum 4. Januar 1806 in französischen Händen. Hier fand am 11. Juli 1809 das Treffen zwischen dem Nachtrab des Erzherzogs Karl und den Franzosen unter Marmont und Masséna statt, worauf am 12. Juli der Waffenstillstand von Znaim abgeschlossen wurde, der am 14. Oktober zum Frieden von Wien führte.

Znaim, Partie aus dem Thayatale
Znaim, Partie aus dem Thayatale

Znaim (Znojmo) ist heute eine Stadt in der Tschechischen Republik.

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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