Marburg a. d. Lahn, Lahnpartie mit Universität und Schloss

Marburg an der Lahn

Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel

Marburg a. Lahn 20.137 Einwohner – 1905 = 219. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Marburg a. Lahn, Marktplatz mit Rathaus
Marburg a. Lahn, Marktplatz mit Rathaus

Neben Marburg an der Lahn im Deutschen Reich (Kaiserreich) existiert in Österreich:

  1. Marburg an der Drau, eine Stadt im Kaisertum Österreich, Herzogtum Steiermark, mit Sitz einer Bezirkshauptmannschaft.

 

Marburg an der Lahn

Marburg a. L. ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel.

Marburg liegt zu beiden Seiten der Lahn, an der Staatsbahnlinie Kassel-Niederwalgern, 182 Meter über dem Meer und zum größeren Teil auf den Terrassen eines bis zum Flussufer sich abdachenden, mit einem altertümlichen Schloss gekrönten Bergrückens am rechten, zum kleineren Teil (Vorstadt Weidenhausen und der Bahnhof) am linken Lahnufer. Nachfolgende Behörden befinden sich ist der Stadt, ein Landgericht, ein Hauptsteueramt, drei Spezialkommissionen und eine Oberförsterei. Die städtischen Behörden zählen 12 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete.

Marburg a. d. Lahn, Blick auf Stadt und Schloss
Marburg a. d. Lahn, Blick auf Stadt und Schloss

Das Innere der Stadt zeigt noch viele alte Bauwerke. Zu den bedeutendsten Gebäuden gehört das Schloss (in gotischem Stil), seit 1867 Sitz des hessischen Staatsarchivs. Der interessanteste Teil desselben ist der schöne, vom Landgrafen Heinrich I. 1277 begonnene und 1312 vollendete, 36 Meter lange Rittersaal, in dem 1529 das Marburger Religionsgespräch abgehalten worden sein soll. Diesem schräg gegenüber befindet sich die ehemalige Schlosskapelle.

Marburg a. d. Lahn, Deutschhaus-Klinik
Marburg a. d. Lahn, Deutschhaus-Klinik

Von den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (3 evangelische und eine katholische Kirche und eine Synagoge) ist die von 1235–83 vom Deutschen Ritterorden erbaute restaurierte Elisabethkirche im reinsten frühgotischen Stil, mit dem prächtigen Grabdenkmal der Heiligen Elisabeth und zwei schlanken Türmen von 74,29 Meter Höhe, eine große Zierde der Stadt. Ebenso sind bemerkenswert die lutherische Pfarrkirche im gotischen Stil (im 13. Jahrhundert begonnen, aber erst im 15. vollendet), mit den Denkmälern der Landgrafen Ludwig IV. und Ludwig V.; die Kugelkirche, ein spätgotischer, jetzt den Katholiken eingeräumter Bau.

Marburg an der Lahn
Marburg an der Lahn

Noch Erwähnung verdienen das originelle Rathaus, das von Schäfer erbaute neue Universitätsgebäude gotischen Stils mit herrlicher Aula, die 1904 mit Wandgemälden von Peter Janssen geschmückt wurde, sowie stattliche Neubauten mehrerer Universitätsinstitute und das neue Amtsgerichtsgebäude. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 11) 17.531 Einwohner, darunter 1789 Katholiken und 382 Juden (1905: 20.137 Einwohner). Die Industrie beschränkt sich auf Gerberei, Fabrikation von Maschinen, chirurgischen Instrumenten und Zinnwaren, Tabak, Tapeten, Etuis, Düten, Töpferwaren, Schuhwerk, Spielzeug und Bierbrauerei.

Marburg, Elisabethstraße
Marburg, Elisabethstraße

Den Handel unterstützt eine Nebenstelle der Reichsbank. Marburgs Bedeutung beruht auf seiner Universität, die unter preußischer Herrschaft einen großen Aufschwung genommen hat. Sie besitzt eine Bibliothek von über 120.000 Bänden, zahlreiche Institute, Kliniken, Seminare, einen botanischen Garten etc. Die Zahl der Studierenden betrug 1905: 1576 und 67 Hörer. Ansonsten befinden sich in Marburg ein Gymnasium, eine Oberrealschule, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Waisenhaus, eine Hebammenlehranstalt, eine Landesirrenheilanstalt etc.

Marburg a. d. Lahn, Universität und Lahnbrücke
Marburg a. d. Lahn, Universität und Lahnbrücke

Aus der durch Naturschönheit ausgezeichneten Umgebung verdienen namentlich der Frauenberg, der Dammelsberg, Augustenruhe, der Lichteküppel, der Elisabethbrunnen bei dem Dorfe Schröck und das Dorf Marbach mit einer vielbesuchten Kaltwasserheilanstalt sowie Spiegelslust (auf den östlich von der Stadt gelegenen Lahnbergen, 380 m hoch, mit dem Kaiser Wilhelms-Turm) und der Bismarcksäule in der Nähe der vielbesuchten Hansehäuser Erwähnung.

Marburg a. d. Lahn, Universität und Schloss
Marburg a. d. Lahn, Universität und Schloss

Zum Landgerichtsbezirk Marburg gehören die 20 Amtsgerichte zu Amöneburg, Battenberg, Biedenkopf, Borken i. Hess., Frankenberg, Fronhausen, Gladenbach, Homberg, Jesberg, Kirchhain i. Hess., Marburg, Neukirchen, Neustadt i. Hess., Oberaula, Rauschenberg, Rosenthal, Treysa, Vöhl, Wetter und Ziegenhain.

Geschichte:

Zuerst um 1140 als Burg der Landgrafen von Thüringen genannt, wird Marburg 1194 als Münzstätte erwähnt, aber erst 1227 scheidet es endgültig aus dem Pfarrverbande des benachbarten Dorfes Oberweimar aus und 1228 sind Glieder und Vorsteher einer städtischen Gemeinde erkennbar. Gleichzeitig kam die Landgräfinwitwe Elisabeth nach Marburg, das ihr Ludwig IV. als Wittum gegeben hatte und erbaute am nordöstlichen Fuße des Schlossberges ein Hospital, das nach dem heiligen Franz benannt wurde.

Gruss aus Marburg
Gruss aus Marburg

Hier wirkte sie als Krankenschwester bis zu ihrem Tode (1231). Die 1233 in Marburg angesiedelten Deutschherren erwirkten durch ihren Genossen, Landgraf Konrad, Elisabeths Schwager, 1235 deren Heiligsprechung und gleichzeitig wurde der Grundstein zur Elisabethkirche gelegt, die 1283 geweiht, den Mittelpunkt des vom Deutschorden gepflegten Elisabethkultus bildete und Marburg zum vielbesuchten Wallfahrtsortes verhalf. Kaiser Friedrich II. wirkte bei der Erhebung der Gebeine Elisabeths mit, und Karl IV. besuchte 1357 ihr Grab mit der Königin Elisabeth von Ungarn.

Marburg, Das Schloss
Marburg, Das Schloss

Aber bald gewann Marburg auch sonst an Bedeutung; die seit 1247 in Hessen herrschenden Glieder des Hauses Brabant hielten sich oft in Marburg auf, 1247 fand hier eine Fürstenversammlung zwecks einer neuen Königswahl statt, und viele andere derartige Tagungen sind später (so 1399, 1401, 1410) gefolgt. Als Fürstensitz dagegen trat Marburg im 13. und 14. Jahrhundert hinter Kassel zurück mit Ausnahme der Zeit 1308–1311 und 1458–1500, als Ober- und Niederhessen verschiedenen Linien angehörten. In diesen Zeiten war Marburg gewöhnliche Residenz der oberhessischen Linie, wurde 1500 Sitz des Hofgerichts und 1527 der ersten ursprünglich protestantischen Universität, die als Pflegestätte der neuen Lehre und des Humanismus gedacht war.

Marburg a. d. Lahn, Sarkophag der Heiligen Elisabeth von Thüringen
Marburg a. d. Lahn, Sarkophag der Heiligen Elisabeth von Thüringen

Vom 1. – 4. Oktober 1529 veranstaltete Landgraf Philipp im Schloss zu Marburg das Religionsgespräch, wodurch er den Lehrgegensatz zwischen Luther und Zwingli auszugleichen hoffte; die beiden Parteien gemeinsamen Anschauungen wurden in den 15 Marburger Artikeln zum Ausdruck gebracht. Die Deutschordensballei zu Marburg, die in Anlehnung an Kaiser Karl V. nach Reichsunmittelbarkeit strebte, führte nach dem Passauer Vertrag (1552) und bis 1809 nur eine Scheinexistenz und bildete im wesentlichen eine Versorgungsanstalt für die jüngeren Söhne des landsässigen Adels.

Marburg, Universität und Schloss
Marburg, Universität und Schloss

Durch die Teilung Hessens 1567 wurde Marburg wieder Sitz der oberhessischen Nebenlinie und als diese 1604 mit Ludwig IV., an den manche städtische Bauten erinnern, ausstarb, entbrannte der Marburger Erbstreit zwischen der Kasseler und Darmstädter Linie. Seit dem Urteil des Reichshofrates von 1623 und dem Hauptakkord vom 24. September 1627 zwischen beiden Linien gehörte Marburg der Darmstädter, zum Kaiser haltenden Linie, aber nachdem 1645–47 Stadt und Schloss wiederholt heiß umstritten worden waren, entschied der Westfälische Friede zugunsten Niederhessens. 1653 wurde die Universität wiederhergestellt.

Gruss aus Marburg
Gruss aus Marburg

Im Siebenjährigen Krieg kämpften Franzosen und die Verbündeten 1757–62 wiederholt um die Stadt. Nach dem Frieden wurden die Festungswerke auf dem Schlossberg geschleift, aber erst 1807 auf Befehl Napoleons gründlicher zerstört, da Ende 1806 die Franzosen von aufständischen Bauern vorübergehend vertrieben worden waren. Auch ein neuer, 1809 von dem greisen Oberst Emmerich in Marburg unternommener Aufstand missglückte und führte zur standrechtlichen Erschießung der Anführer. Seit 1945 befindet sich die Grabstätte Paul von Hindenburgs in der Elisabethkirche in Marburg.

 

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