S.M.S. Gefion (1843)

Gefion und Amazone im Geschwader segelnd
Gefion und Amazone im Geschwader segelnd

S.M.S. Gefion (1843), Fregatte der preußischen und Kaiserlichen Marine, technische Angaben und Geschichte in alten Postkarten.

S.M.S. Gefion, Segelfregatte
S.M.S. Gefion, Segelfregatte

S.M.S. Gefion (1843) – Angaben

Name:Gefion
Namensherkunft:Gefion, nordische Meeresgöttin
Stapellauf:27.09.1843 in Kopenhagen (Neue Königliche Werft)
Schwesterschiffe:Einzelschiff
Besatzung:ca. 402 Mann
Maße:Länge 59 m, Breite 13,5 m, Tiefgang 5,68 m
Wasserverdrängung:1390 Tonnen
Maximale Geschwindigkeit:15 kn
Bewaffnung:2 x 60-Pfünder, 46 x 24-Pfünder
Ende:Am 05.05.1880 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, 1891 abgewrackt.

S.M.S. Gefion (1843) – Geschichte

Nachdem am 22. März 1848 König Friedrich VIII. von Dänemark ein Kabinett aus so genannten Eiderdänen (Dänemark bis an die Eider, unter Einschluss des Herzogtums Schleswig) ernannt hat, kommt es zum ersten Deutsch-Dänischen Krieg. Dänemark gelang es mit Hilfe einiger alten Fregatten den gesamten deutschen Seehandel lahm zu legen und weckte damit helle Empörung im ganzen Land.

Übergabe des Christian VII und der Gefion bei Eckernförde
Übergabe des Christian VII und der Gefion bei Eckernförde

1848 findet in der Frankfurter Paulskirche die Nationalversammlung zur Neugründung des Reiches statt. Ein Hamburger Abgeordnete weißt darauf hin, dass die nationale Einheit und Seegeltung untrennbar zusammen gehören. Der Plan zur Gründung einer Reichsflotte wurde mit allseitiger Zustimmung aufgenommen. Unter dem General von Radowitz begannen die Beratungen. Die Nationalversammlung bewilligt zum Ankauf geeigneter Schiffe sechs Millionen Taler. Der Reichsverweser, Erzherzog Johann, unterstützt die Sache und schlägt Prinz Adalbert als Fachmann und Vorsitzenden für die Marinekommission vor. Dieser Kommission trat der aus griechischen Diensten kommende Kapitän Bromme bei. Nach großen Schwierigkeiten gelang es ihm, zwei passende Schiffe in England zu kaufen. Zum Befehlshaber wurde Kapitän Rudolf Bromme ernannt. Unter der erfahrenen, tatkräftigen Führung Brommes unternahm die kleine Flotte bald kühne Vorstöße gegen die weit überlegenen Dänenflotte.

Hauptmann Jungmann, Schlacht bei Eckernförde am 5. April 1849
Hauptmann Jungmann, Schlacht bei Eckernförde am 5. April 1849

1849 wurde das neue Geschwader in Dienst gestellt. Es bestand aus den Dampffregatten „Barbarossa“ und „Erzherzog Johann“, drei von der Freien und Hansestadt Hamburg zur Verfügung gestellten Dampfkorvetten „Hamburg“, „Lübeck“ und „Bremen“, und einer alten Segelfregatte „Deutschland“. Hinzu kam die im Gefecht vor Eckernförde durch Landbatterien beschädigte, auf Strand gesetzte und den Dänen abgenommene Fregatte „Gefion“, die unter ihrem neuen Namen „Eckernförde“ in Dienst gestellt wurde.

Eckernförde, Grabmal Theodor von Preussen
Eckernförde, Grabmal Theodor von Preussen

Um diese Zeit erkannte Preußen es für richtig, seine eigenen Schiffe unter der preußischen und nicht unter der schwarz-rot-goldenen Flagge fahren zu lassen, da es berechtigte Zweifel in die Lebensfähigkeit der Bundesflotte setzte, zu der die Beiträge der deutschen Länder nur höchst zögernd eingingen. Außerdem hatte England nach einem Vorstoß der Admirals Brommy mit seinen drei Schiffen „Barbarossa“, „Lübeck“ und „Bremen“ am 4. Juli 1849 gegen die dänische Korvette „Valkyrien“ in der Nähe des englischen Hoheitsgebietes von Helgoland dem Bremer Senat, in Ignorierung des Deutschen Bundes, in einer Note mitgeteilt, dass es „die deutsche Flagge nicht kenne und solche unbekannte Flagge in See wie die von Seeräuberschiffen behandeln werde„.

Gefion und Amazone im Geschwader segelnd
Gefion und Amazone im Geschwader segelnd

Eine gemeinsame Kriegsführung Deutschlands existierte nicht. Die Schleswig-Holsteiner kämpften auf eigene Faust und mit wechselndem Erfolg gegen die Dänen, so 1849 mit ihrem Dampfer „Bonin“, Schleppdampfer „Löwe“, Schoner „Elbe“ und einem Dampfkanonenboot bis zum bitteren Ende 1851, das sie noch einmal dänisch machte. Auch der preußische Raddampfer „Preußischer Adler“ focht mit einer dänischen Brigg „St. Croix“, und in Kiel hatte man das Erlebnis, den Probefahrten des ersten Unterseebootes der Welt beizuwohnen. Es war der „Brandtaucher“ des bayrischen Unteroffiziers Bauer, der leider am 1. Februar 1851 im Kieler Hafen verunglückte, ohne Menschenverluste, erst 1887 gefunden und gehoben wurde und später im Hof des Instituts für Meereskunde, Reichsmarinesammlung, in Berlin zu sehen war und nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) über Potsdam, Rostock und schließlich im Militärhistorischen Museum in Dresden gelandet ist.

Das Scheitern der deutschen Einheitsbestrebungen bereitet der ersten deutschen Flottengründung schon nach vier Jahren ein unrühmliches Ende. Preußen erklärte, dass seine „Amazone“ nach wie vor unter preußischer Flagge fahren würde. Das Königreich Sachsen und das Königreich Bayern verweigerten die Bezahlung der Marine und Schleswig-Holstein baute eine eigene Flotte zum Küstenschutz. 1852 wurde die Auflösung der Flotte beschlossen. Das Königreich Preußen ersteigerte die Fregatte „Barbarossa“ und „Eckernförde“, die nun ihren alten dänischen Namen „Gefion“ wieder erhielt.

Am 5. Mai 1880 wurde S.M.S. Gefion aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und 1891 abgewrackt.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1880
  • „Deutschlands Seemacht“ von Georg Wislicenus – Verlag Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1896
  • „Die Heere und Flotten der Gegenwart – Deutschland“ 1898
  • „Bilder aus der deutschen Seekriegsgeschichte“ von Vizeadmiral a.D. Reinhold Werner – München 1899
  • „Nauticus – Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen“ 1899-19
  • „Überall“ Illustrierte Zeitschrift für Armee und Marine, Jahrgänge
  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1902
  • „Deutschland zur See“ von Victor Laverrenz, Berlin 1900
  • „Marine-Album“ Berlin 1910
  • „Deutschland zur See“ Illustrierte Wochenschrift, Zeitschrift des Vereins „Marinedank“, Berlin, Jahrgänge
  • „Der Völkerkrieg – Eine Chronik der Ereignisse seit dem 1.Juli 1914“ Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart 1914-1922
  • „Taschenbuch der Kriegsflotten“, J.F. Lehmann’s Verlag, München Jahrgänge von 1900 bis 1936
  • „Kennung der deutschen Kriegsschiffe und Torpedoboote“ – Admiralstab der Marine 1917
  • „Das Reichsarchiv“ Band 1 – 36, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1924
  • „Unsere Marine im Weltkrieg 1914-1918“ Vaterländischer Verlag Berlin 1927
  • „Deutsche Seefahrt“ – von Trotha und König, Otto Franke/ Verlagsgesellschaft Berlin – Birkenwerder 1928
  • „Marinearchiv“ Band I und II Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1931
  • „Unsere Marine – Schiffsbilder“, Bilder der Reichsmarinesammlung im Museum für Meereskunde zu Berlin (1930)
  • „So war die alte Kriegsmarine“ von Eberhard von Mantey – Berlin 1935
  • „Die deutschen Kriegsschiffe“, Groener 1966
  • „Die Deutschen Kriegsschiffe“, Hildebrand/Röhr/Steinmetz

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