Neuß (Neuss)

Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf

Neuß 30.494 Einwohner – 1905 = 135. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Neuss a. R. , Markt mit Rathaus
Neuss a. R. , Markt mit Rathaus

 

Neben der Stadt Neuß am Rhein existiert:

  1. Neuß (Nyon), eine Stadt in der Schweiz, Bezirkshauptstadt im Kanton Waadt mit im Jahr 1900 = 4893 Einwohnern.

 

Neuß (Neuss) am Rhein

Neuß (Neuss) ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf, liegt am Erftkanal, 3 km westlich vom Rhein und 39 Meter über dem Meer. Sie ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Köln-Zevenaar, Neuß-Viersen, Rheydt-Neuß, Neuß-Oberkassel, Düren-Neuß und Neuß-Düsseldorf sowie der elektrischen Kleinbahn Düsseldorf-Neuß. Neuß hat 2 evangelische und 7 katholische Kirchen (darunter die restaurierte prachtvolle Quirinskirche im spätromanischen Stil, 1209 begonnen), eine Synagoge und ein Kriegerdenkmal auf dem Münsterplatz. Im Jahr 1905 leben hier 30.494 Einwohner, der Großteil sind Katholiken, 1954 sind Evangelische und 240 Juden.

Neuß hat 2 große Papierfabriken, eine Schrauben- und Schraubenmutternfabrik, Maschinenbauanstalten, Eisengießereien, Krawatten-, Sauerkraut-, Hut-, Seife-, Stärke-, Margarine-, Stearin-, Zichorien-, Leder-, Essig- und Weißwarenfabrikation, eine chemische Fabrik, zahlreiche Wasser- und Dampfmühlen für Mehl und Öl, Säge- und Hobelwerke, Ziegelbrennerei etc. Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer und eine Nebenstelle der Reichsbank und ist besonders bedeutend in Vieh und Getreide. Neuß hat ein Gymnasium, ein erzbischöfliches Knabenkonvikt, 2 Krawattennähschulen, ein Waisenhaus, ein Invalidenhaus, 2 große, von Klosterleuten geleitete Irrenanstalten etc. und ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Hauptsteueramts. Die städtischen Behörden zählen 6 Magistratsmitglieder und 24 Stadtverordnete. In der Nähe liegt das 1215 gegründete Zisterzienserkloster Gnadenthal (jetzt Wirtschaftsgut).

Neuß ist eine Gründung der Römer, die seit rund 25 n. Chr. 3 km südlich von Neuß, beim jetzigen Dorfe Grimlinghausen, ein Standquartier hatten, das den Namen Novaesium führte. Seit 1887 wurden bei Neuß umfangreiche Ausgrabungen veranstaltet, wobei die Fundamente jenes 25 Hektar großen römischen Lagers entdeckt und bis 1900 bedeutende Funde gemacht wurden. 1474 wurde Neuß elf Monate lang durch Karl den Kühnen von Burgund vergeblich belagert und 1586 durch Alexander von Parma zerstört. Während des 2. Weltkrieges wurden große Teile der historischen Altstadt durch britische Luftangriffe zerstört.

Seit 1969 schreibt sich Neuss offiziell mit „ss“ anstatt „ß“.