Gandersheim, seit 1932 Bad Gandersheim

Kreisstadt im Herzogtum Braunschweig

Gandersheim 3015 Einwohner – 1900 (Städte im Kaiserreich)

Bad Gandersheim (Harz) - Rathaus
Bad Gandersheim (Harz) – Rathaus

 

Gandersheim

Gandersheim ist eine Kreisstadt im Herzogtum Braunschweig. Sie liegt in einem tiefen Tal an der Gande, 118 Meter über dem Meer und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Soest-Börßum und Gandersheim-Großdüngen. Die Stadt hat 2 alte evangelische Kirchen (Georgs- und Stiftskirche, in letzterer der Marmorsarkophag der Äbtissin Elisabeth Ernestine Antonie und das sogen. Mecklenburgische Mausoleum für die Äbtissinnen Christine und Marie Elisabeth, Herzoginnen von Mecklenburg), ein fürstliches Schloss (jetzt Amtsgericht), eine alte berühmte Abtei (jetzt Kreisdirektion) mit Kaisersaal, Progymnasium mit Realabteilung, ein Lehrerinnenfeierabendhaus und Solbad (Ludolfsbad). Gandersheim betreibt Zuckerfabrikation, Dampfmolkerei, Damastweberei, Möbeltischlerei, Obstweinkellerei, Zigarren-, Spiritus- und Likörfabriken. Im Jahr 1900 leben hier 3015 Einwohner.

Gandersheim war ursprünglich eine Abtei, die 852 von Herzog Ludolf von Sachsen in Brunshausen gegründet, 856 aber hierher verlegt, mit einem Stift für adlige Damen verbunden wurde. Ein Streit zwischen dem Erzstift Mainz und dem Bistum Hildesheim wurde 1006 dahin entschieden, dass man Gandersheim letzterer Diözese zuwies; doch wurde das Stift zu Anfang des 13. Jahrhunderts direkt dem Papst unterstellt. Im 12. Jahrhundert erlangte die Äbtissin reichsfürstliche Würde, und diese Auszeichnung blieb bestehen, selbst als das Stift 1570 protestantisch geworden war. Meist wurden Prinzessinnen aus angesehenen deutschen Fürstenhäusern zu Äbtissinnen des Stiftes berufen, die Sitz und Stimme auf der rheinischen Prälatenbank hatten. 1803 zog der Herzog von Braunschweig als Landesherr das Fürstentum ein. Die mittelalterliche Dichterin Hrolsuit lebte um 980 als Nonne in Gandersheim. Auf dem nahen Klusberg (ehedem mit dem Kloster Klus, jetzt Domäne) steht seit 1874 ein Denkmal des Dichters Hoffmann von Fallersleben (Deutschlandlied); nahebei das Gut Brunshausen, ehemals Nonnenkloster.