Bernburg

Kreisstadt im Herzogtum Anhalt, früher Hauptstadt der Linie Anhalt-Bernburg

Bernburg 34.922 Einwohner – 1905 = 112. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Bernburg a. S., Markt, Rathaus, Breitestraße
Bernburg a. S., Markt, Rathaus, Breitestraße

 

Bernburg

Bernburg ist eine Kreisstadt im Herzogtum Anhalt, früher Hauptstadt der Linie Anhalt-Bernburg, liegt an der Saale und 55 Meter über dem Meer. Sie ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Aschersleben-Köthen und Könnern-Calbe a. S. Bernburg besteht aus der Alt- und Neustadt mit der Vorstadt Waldau auf dem linken und der Bergstadt auf dem rechten Saaleufer.

Unter den fünf evangelische Kirchen sind die Marienkirche in der Altstadt und die Schlosskirche hervorzuheben; außerdem hat Bernburg noch eine katholische und eine apostolische Kirche und eine Synagoge. Unter den öffentlichen Gebäuden ist das uralte Schloss bemerkenswert, das auf hohem Felsen über der Saale liegt und mit seinem nördlichen Turm (dem Roten Turm oder sogenannte Eulenspiegel) weithin sichtbar ist; ferner das Rathaus mit einem Kunstuhrwerk, das Stadttheater etc. An Denkmälern hat Bernburg ein Reiterstandbild des Kaisers Wilhelm I. und ein Denkmal Bismarcks.

Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (1. Infanteriebat. Nr. 36) 34.431 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1352 sind Katholiken und 350 Juden. Die Stadt hat eine ansehnliche Industrie, die deutschen Solvaywerke (mit Soda- und Chlorkaliumfabrik, Saline, Salzbergwerk und Kaliwerk), Eisengießerei, Maschinen- und Dampfkesselfabrikation, Fabriken für Zucker, Papier, Tonwaren, Zement, Zigarren, Weinsteinsäure, Zuckerwaren etc., Mühlen, Spiritusbrennerei, Bierbrauerei, Blei- und Zinkwalzwerke. An Bildungsanstalten besitzt Bernburg ein Gymnasium und ein Realgymnasium. Auch befindet sich dort eine Landes-Heil- und Pflegeanstalt und seit kurzem ein Solbad. Bernburg ist Sitz eines Amtsgerichts und einer Nebenstelle der Reichsbank.

Die Altstadt Bernburg wurde schon 992 von Kaiser Otto III. befestigt, die Neustadt wahrscheinlich im 13. Jahrhundert angelegt. 1139 wurde das Schloss Bernburg von Anhängern Heinrichs des Stolzen verbrannt. Im Dreißigjährigen Kriege nahmen die Schweden zweimal die Stadt ein, wurden aber 1636 von den Sachsen vertrieben. Bernburg war bis 1448 Residenz der Fürsten der alten Bernburger Linie und dann (seit 1498) Witwensitz. Seit der Teilung von 1603 war es Hauptstadt der jüngeren Bernburger Linie, die 1863 erlosch. In der Nähe liegt die Saline Leopoldshall.