S.M.S. Bayern

S.M.S. Bayern (1878)

S.M.S. Bayern (1878), Panzerkorvette der Kaiserlichen Marine, technische Angaben und Geschichte in alten Postkarten.

S.M.S. Bayern, Panzerkorvette
S.M.S. Bayern, Panzerkorvette

S.M.S. Bayern (1878) – Angaben

Name:Seiner Majestät Schiff Bayern
Namensherkunft:Bayern, Königreich Bayern
Stapellauf:13.05.1878 in  Kiel  ( Kaiser Wilhelm Werft )
Schiffsklasse:Sachsen-Klasse
SchwesterschiffS.M.S. Sachsen , S.M.S. Bayern,  S.M.S. Württemberg ,  S.M.S. Baden
Besatzung:ca. 436  Mann
Maße:Länge 98 m Breite 18,4 m Tiefgang: 6 m
Wasserverdrängung:7370 Tonnen
Maximale Geschwindigkeit:14,5 kn
Dampfstrecke:3000 Seemeilen
Kohlenvorrat:600 Tonnen
Schiffsmaschine:6000 PS, 2 Schrauben
Bewaffnung:6 Kanonen Kaliber 26 cm, 6 Kanonen Kaliber 8,8 cm
Ende:Ab 1910 Hulk, 1919 abgewrackt

S.M.S. Bayern (1878) – Geschichte

Alle 4 Schiffe der Sachsenklasse wurden komplett in Deutschland gebaut. Ursprünglich nannte man diese Schlachtschiffe Ausfallkorvetten, da die ein Angriffsgeschwader von kleineren Panzerschiffen bildeten. Nach der Art ihres Panzerschutzes wurden sie auch Zitadellschiffe genannt; denn ebenso wie bei vergleichbaren englischen Schlachtschiffen fehlt ihnen im Vorder- und Hinterschiff der senkrechte Panzerschutz auf mehr als der Hälfte der Schiffslänge. Nur der mittlere Teil des Schiffes hat einen ringsherum geschlossenen senkrechten Panzer – wie eine Zitadelle hervorragend – der etwa 2 m unterhalb der Wasserlinie beginnt und bis zum Oberdeck hinaufreicht.

Sachsenklasse, Panzerschiffe III. Klasse (umgebaut - 1 Schornstein) als I. Division des Manövergeschwaders, 1894
Sachsenklasse, Panzerschiffe III. Klasse (umgebaut – 1 Schornstein) als I. Division des Manövergeschwaders, 1894

Auf das Oberdeck, hinter den zunächst 4 Schornsteinen, ist noch die Panzerbrustwehr für vier über Bank feuernde schwere Geschütze aufgebaut. Vor den Schornsteinen steht eine runde Brustwehr, die den Stand für zwei schwere Geschütze auf gemeinschaftlicher Drehscheibe stützt. An der Vorderwand der offenen Panzerbatterie, hinter den Schornsteinen, erhebt sich der gepanzerte Kommandoturm. Die Panzerung stammt noch aus einer Zeit, wo man von gehärtetem Nickelstahl nichts wusste. Für jene Zeit ist sie eigenartig und zweckmäßig hergestellt.

Panzerkorvette der Sachsen-Klasse mit 4 Schornsteinen vor dem Umbau
Panzerkorvette der Sachsen-Klasse mit 4 Schornsteinen vor dem Umbau

Da man dicke Platten noch nicht walzen konnte, gab man der Sachsen zwei Panzerplatten hintereinander. Außen liegt eine Platte von 25,4 cm dickem gewalztem Schmiedeeisen, dahinter eine gleich starke Teakholzlage, dahinter folgt wieder eine Walzeisenplatte von 15,2 cm und dann eine etwa 20 cm starke Holzlage, den Schluss bildet eine doppelte Eisenhaut. Die Holzlage sollte den Stoß der aufschlagenden Panzergeschosse durch ihre elastische Wirkung abschwächen und dadurch die Panzerplatte vor der Zertrümmerung bewahren.

S.M.S. Bayern
S.M.S. Bayern

Die Schiffe der Sachsenklasse sind rund 7400 Tonnen groß, zunächst 91 m lang, 18 m breit und haben 6 m Tiefgang. Vor und hinter der Zitadelle schließt sich die Unterkante der senkrechten Panzerung ein gewölbtes Panzerdeck an, das vorn in dem fast 3 m langen spitzen Sporn endet, der 3 m unter Wasser liegt. Über dem Panzerdeck sind Vor- und Hinterschiff nur durch einen Kork- oder Kofferdamm geschützt, d.h. durch eine Reihe nebeneinander liegender, durch Stahlwände angeschlossener Zellen, die mit Kork gefüllt sind. Bei Verletzung der Außenhaut soll der Kork vom eindringenden Wasser aufquellen und dadurch die Schusslöcher schließen.

S.M.S. Bayern
S.M.S. Bayern

Das Geschwader wurde der Marinestation der Ostsee zugeteilt. Die Schiffe zeigten im Einsatz jedoch gravierende Mängel und schlingerten bereits bei geringem Seegang. So wurde sie nur kurzzeitig in Dienst gestellt und mehrmals umgebaut. 1899 wurde die Schiffsklasse in „Linienschiffe“ umbenannt. Nach einer schweren Kesselexplosion auf S.M.S. Wacht schleppte die „Bayern“ den Aviso nach Kiel. Ende 1899 wurde S.M.S. Bayern Flaggschiff der II. Division und danach Flaggschiff des I. Geschwaders. Von Anfang 1900 bis Ende 1903 wurde es in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt. Ab 2. Januar 1904 gehörte das Schiff zur Ostseestation, bevor es im Jahr 1910 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen wurde. Danach diente der Rumpf noch bis 1919 als Zielschiff. Am 5. Mai 1919 wurde es verkauft und abgewrackt.

 

Quellenhinweise:

  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1880
  • „Deutschlands Seemacht“ von Georg Wislicenus – Verlag Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1896
  • „Die Heere und Flotten der Gegenwart – Deutschland“ 1898
  • „Bilder aus der deutschen Seekriegsgeschichte“ von Vizeadmiral a.D. Reinhold Werner – München 1899
  • „Nauticus – Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen“ 1899-19
  • „Überall“ Illustrierte Zeitschrift für Armee und Marine, Jahrgänge
  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1902
  • „Deutschland zur See“ von Victor Laverrenz, Berlin 1900
  • „Marine-Album“ Berlin 1910
  • „Deutschland zur See“ Illustrierte Wochenschrift, Zeitschrift des Vereins „Marinedank“, Berlin, Jahrgänge
  • „Der Völkerkrieg – Eine Chronik der Ereignisse seit dem 1.Juli 1914“ Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart 1914-1922
  • „Taschenbuch der Kriegsflotten“, J.F. Lehmann’s Verlag, München Jahrgänge von 1900 bis 1936
  • „Kennung der deutschen Kriegsschiffe und Torpedoboote“ – Admiralstab der Marine 1917
  • „Das Reichsarchiv“ Band 1 – 36, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1924
  • „Unsere Marine im Weltkrieg 1914-1918“ Vaterländischer Verlag Berlin 1927
  • „Deutsche Seefahrt“ – von Trotha und König, Otto Franke/ Verlagsgesellschaft Berlin – Birkenwerder 1928
  • „Marinearchiv“ Band I und II Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1931
  • „Unsere Marine – Schiffsbilder“, Bilder der Reichsmarinesammlung im Museum für Meereskunde zu Berlin (1930)
  • „So war die alte Kriegsmarine“ von Eberhard von Mantey – Berlin 1935
  • „Die deutschen Kriegsschiffe“, Groener 1966
  • „Die Deutschen Kriegsschiffe“, Hildebrand/Röhr/Steinmetz

 

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