Barmen

Stadt und Stadtkreis im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf

Barmen 156.148 Einwohner – 1905 = 29. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Barmen, Schwebebahn an der Cleferbrücke
Barmen, Schwebebahn an der Cleferbrücke

Barmen

Barmen ist eine Stadt und Stadtkreis im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf, im Tal der Wupper, in einer Ausdehnung von 6 km von Elberfeld bis Langerfeld gelegen und 160 Meter über dem Meer. Die Stadt macht durch ihre schönen Straßen und Parkanlagen und durch das bewegte Leben etc. einen wohltuenden Eindruck. Sie besteht aus drei Hauptteilen: Ober-, Mittel- (Gemarke-) und Unterbarmen, die einst räumlich getrennt waren und von denen sich Oberbarmen aus Rittershausen, Heckinghausen, Wichlingshausen und Wupperfeld zusammengesetzt hat. An öffentlichen Bauten sind zu nennen 9 evangelische und 2 katholische Kirchen, das alte und das neue Rathaus, die Ruhmeshalle (mit den Marmorstandbildern der Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III.), die Stadthalle, das Stadttheater, das Bankgebäude etc.

An Denkmälern sind vorhanden das Kriegerdenkmal, das Bismarckdenkmal, ein Denkmal für den Dichter Rittershaus und das Ringeldenkmal in den Anlagen. Die die Stadt der Länge nach durchfließende Wupper wird von 20 Brücken überspannt. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 1900 = 141.944 Seelen (1816: 19.030), darunter 114.095 Evangelische, 24.294 Katholiken und 592 Juden. Barmen ist eine der bedeutendsten Industriestädte des Deutschen Reiches („das deutsche Manchester“) und beschäftigt über 40.000 Arbeiter. Obenan in der Industrie stehen die den Weltmarkt beherrschenden sogenannten Barmer Artikel, wie Kordeln, Spitzen, Litzen, Besatzstoffe, Bänder, seidene und halbseidene Tücher, Garne, Schnürriemen, Zanella, Futter- und Schirmstoffe, halbwollene Rockstoffe, Lasting, Kaschmir, Mantel- und Knopfstoffe, Knöpfe etc. In dieser Industrie werden etwa 19.000 Arbeiter in ca. 900 größeren und kleineren Betrieben beschäftigt. Außerdem sind von Bedeutung die Fabrikation von Teppichen, Trikot- und Korsettwaren, Bunt- und Luxuspapier, Farben, Chemikalien, Dampfkesseln, Dampf- und Flechtmaschinen, Metallwaren, Geldschränken, Leder- und Militäreffekten, Seife, Briefumschlägen, Zündhütchen, von gold- und silberplattierten Kupferblechen, Wagenbauartikeln etc. Wichtig sind ferner: der Pianoforte- und Orgelbau, die Eisen- und Metallgießerei, die Buchdruckerei und die lithographischen Anstalten, die Bierbrauerei und die Ziegelbrennerei.

Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, ein Konsulat der Vereinigten Staaten Nordamerikas, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1901: 870,9 Millionen Mark.), mehrere Bankinstitute, ist sehr bedeutend und dehnt sich über die ganze Erde aus. Haupthandelsartikel sind außer den dortigen Fabrikaten besonders Garn und Indigo. Die Einfuhr an Garnen beziffert sich jährlich auf ca. 6 Millionen Kilogramm. Der Anteil an der Elberfeld-Barmener Seidentrocknungsanstalt betrug 1900 etwa 600.000 kg. Die Warenausfuhr allein nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika beziffert sich 1900 an Wert auf 9 Millionen, insgesamt auf 21,5 Millionen Mark. Lebhaft ist auch der Verkehr. Barmen hat 6 Bahnhöfe und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Düsseldorf-Soest, Barmen-Wipperfürth und Barmen-Hattingen. Den inneren Verkehr mit Elberfeld vermittelt unter anderem eine elektrische Schwebebahn über dem Flussbett der Wupper.

An Bildungsinstituten und ähnlichen Anstalten besitzt Barmen ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule, eine Realschule, eine Baugewerk- und eine Maschinenbauschule, eine Kunstgewerbeschule, eine höhere Fachschule für Textilindustrie, die Rheinische Missionsanstalt, Missionarseminar und ethnographische Sammlung ein naturhistorisches Museum, eine Bibliothek, ein. Gemäldegalerie, die Sammlungen des Bergischen Geschichtsvereins, viele Wohltätigkeitsanstalten etc. Barmen ist Sitz eines Amtsgerichts; die städtischen Behörden bestehen aus 7 Magistratsmitgliedern und 36 Stadtverordneten. In der Umgebung ist der bemerkenswerte Höhenzug südlich der Stadt mit ausgedehnten Anlagen. Hier befinden sich die Kaiser Friedrichs-Höhe, das Luftkurhaus, der Tölleturm, die Meierei mit großem Spielplatz und zahlreiche schöne Villen. Barmen ist eine junge Stadt, die zwar schon im 11. Jahrhundert genannt wird, aber erst durch die Industrie zur Größe gelangte. Stadtrechte erhielt der Ort 1808 durch den Großherzog von Berg.

1929 wurden die Städte Barmen, Cronenberg, Elberfeld, Ronsdorf und Vohwinkel zu Barmen-Elberfeld vereinigt. Noch im selben Jahr beschloss die Stadt sich Wuppertal zu nennen.