Apolda

Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Weimarscher Kreis und Hauptort des Verwaltungsbezirks II

Apolda 21.229 Einwohner – 1905 = 206. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Apolda, Marktplatz
Apolda, Marktplatz

 

Apolda

Apolda ist eine Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar. Sie liegt an der Linie Bebra-Weißenfels der Preußischen Staatsbahn. Die Stadt hat 2 evangelische und eine katholische Kirche und ein Denkmal des Kaisers Friedrich III. Im Jahr 1900 leben hier 20.352 Einwohner, die große Mehrzahl sind Evangelische, 270 sind Katholiken. Apolda bildet für die Fabrikation wollener Strumpf- und Webwaren, um die sich besonders Christian Zimmermann (1759 bis 1842), dem 1892 ein Denkmal auf dem Karlsplatz errichtet wurde, verdient gemacht hat, einen der wichtigsten Plätze Deutschlands.

Wichtig sind außerdem Färberei, Fabrikation von Maschinen, Dampfkesseln, Brauereiutensilien, Fahrrädern, Wurst und Fleischwaren, Schokolade und Zuckerwaren sowie die Glockengießerei. Apolda ist Sitz der Direktion des II. Verwaltungsbezirks und hat ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, eine Real- und eine Werkmeisterschule. Das Schloss und Rittergut von Apolda, ursprünglich eine Besitzung der Schenken von Vargula und Tautenburg, später der Herren von Vitzthum, gehört seit 1633 der Universität Jena.

In dem 1119 erstmals bezeugten Ort saß auf einer 1123 genannten Burg ein kurmainzisches Ministerialgeschlecht. Der seit dem Ende des 13. Jahrhunderts zur Stadt erhobene, 1308 als civita erwähnte Ort geriet 1348 unter wettinische Botmäßigkeit und gehört seit 1485 zum ernestinischen Kursachsen, wohingegen die Oberlehnsherrschaft des Erzstifts Mainz bedeutungslos und 1666 aufgegeben wurde. 1633 erhielt die Universität Jena die Grundherrschaft über Apolda und behielt sie mitsamt der Burg und aller Gerichtsbarkeit bis 1837. Anstelle der Schultheißen traten 1433 Bürgermeister und Rat an die Spitze der Stadtverwaltung. Die Stadt wuchs im 16. Jahrhundert über ihren Mauerring hinaus, sie überwand ihre frühere wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit mit Hilfe der um 1600 aufgekommenen Strickerei, aus der um 1700 die Strumpfwirkerei hervorging, die bald auch eine Manufaktur als größtes Wirtschaftsunternehmen im damalige Herzogtum Weimar entstehen ließ. 1779 arbeiteten 780 Wirkstühle in der Stadt, die 1830 = 3331 Einwohner zählte. Seit 1846 besteht Bahnverbindung mit Weimar und Halle. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Strumpfherstellung die Fabrikation von Obertrikotagen. Seit 1722 wird die Glockengießerei betrieben.