Offenbach am Main

Kreisstadt im Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg

Offenbach 59.806 Einwohner – 1905 = 69. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Offenbach a. M., Marktplatz
Offenbach a. M., Marktplatz

 

Neben der Stadt Offenbach am Main im Großherzogtum Hessen existiert im Deutschen Reich (Kaiserreich)

  • Offenbach am Queich, ein Dorf im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Landau, am Queich, mit Station Dreihof-Essingen-Offenbach an der Linie Landau-Herxheim der Pfälzischen Eisenbahn. Der Ort hat eine evangelische und eine katholische Kirche, Seidenwaren-, Malz- und Zementwarenfabrikation, Dampfmühlen und im Jahr 1905 = 2400 Einwohner, die überwiegende Mehrheit sind Katoliken, 614 sind Evangelische.

Offenbach am Main

Offenbach ist eine Kreisstadt im Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg und Hauptort der Standesherrschaft des Fürsten von Isenburg-Offenbach-Birstein, liegt am Main und 92 Meter über dem Meer. Die Stadt ist regelmäßig gebaut, hat 7 Kirchen (2 evangelische, eine französische, 2 katholische, eine altkatholische und eine deutsch-katholische) und eine Synagoge, ein fürstliches Schloss, eine Natron-Lithionquelle (Kaiser Friedrichquelle, jährlicher Versand 4 Millionen Krüge). Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 168) 58.806 Einwohner, der Grußteil sind Evangelische, 20.500 sind Katholiken, 500 Altkatholiken, 1700 Deutschkatholiken und 1400 Juden.

Offenbach ist der wichtigste Fabrikort des Großherzogtums Hessen, hat bedeutende Fabrikation von Sattler- und Portefeuillewaren (6000 Arbeiter), Lederwaren (2000 Arbeiter), Schuhwaren (2500 Arbeiter), Gürtler- und Metallphantasiewaren (2500 Arbeiter), Toiletteseifen und Parfümerien (1000 Arbeiter), Lack, Anilin und Anilinfarben (800 Arbeiter), Zelluloidwaren, Posamenten und Besatzartikeln für Damenhüte (3000 Arbeiter), Tabak und Zigarren, Gummi, Metallschrauben und von Vorrichtungen für Elektrizitätsübertragung, Schriftgießerei, Maschinenbau, Herstellung von Patentachsen, Wagenteilen, Luxuswagen u. Schmirgelscheiben und Hosenschneiderei etc. Den Grundstein zu dem großartigen Gewerbebetriebe legten im 17. und 18. Jahrhundert französische Einwanderer. Für den Betrieb der gewerblichen Anlagen wurde 1890 eine Druckluftanlage gegründet, die komprimierte Luft von einer Zentralstelle in Röhren durch die Straßen in die Werkstätten führt, um die dort aufgestellten Luftmotoren zu treiben.

Der sehr bedeutende und zum Teil überseeische Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank und mehrere andere öffentliche Geldinstitute sowie durch eine ausgedehnte Hafenanlage. Dem Verkehr in der Stadt dient eine elektrische Straßenbahn, die Offenbach zugleich mit Frankfurt a. M. verbindet. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Frankfurt a. M.-Bebra und Offenbach-Dieburg. Offenbach hat ein Gymnasium, eine Oberrealschule, eine Privatrealschule (Goetheschule), eine Handelsschule, ein Handelslehrerseminar, eine Kunstgewerbe- und gewerbliche Fachschule und ist Sitz des Kreisamts, eines Amtsgerichts, einer Oberförsterei und eines Hauptsteueramts.

Offenbach wird erstmalig 970 genannt und lag damals im Banne des Dreieicher Reichsforstes. 1257 kam es an die Herren von Falkenstein im Taunus, 1419 an die Herren von Sayn und die Grafen von Isenburg-Büdingen, 1486 an die Isenburger allein, die 1685 dahin übersiedelten, und nach deren Mediatisierung 1816 an Hessen-Darmstadt. Der gegenwärtige Aufschwung der Stadt, die 1816 erst 6210 Einwohner zählte, datiert seit dem Anschluss des Großherzogtums Hessen an den Zollverein (1828).