Kassel, Auetor

Provinz Hessen-Nassau

Die preußische Provinz Hessen-Nassau mit der Landeshauptstadt Kassel, Geschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Kassel-Wilhelmshöhe. Schloss
Kassel-Wilhelmshöhe. Schloss

Neben dem preußischen Hessen-Nassau existiert im Kaiserreich auch das Großherzogtum Hessen.

Provinz Hessen-Nassau (1866 entstanden aus dem Kurfürstentum Hessen-Kassel, Herzogtum Nassau und der Freie Stadt Frankfurt)

Hessen-Nassau, Lage im Deutschen Reich
Hessen-Nassau, Lage im Deutschen Reich

Hessen-Nassau, preußische Provinz, 1867 und 1868 aus Landesteilen gebildet, die infolge des Deutschen Krieges von 1866 an Preußen kamen, nämlich aus dem ehemaligen Kurfürstentum Hessen-Kassel und dem ehemaligen Herzogtum Nassau, ferner aus dem größten Teil des Gebietes der ehemaligen freien Reichsstadt Frankfurt a. M., aus dem Kreis Biedenkopf und einigen anderen Gebieten des Großherzogtums Hessen, aus der Herrschaft Homburg der ehemaligen Landgrafschaft Hessen-Homburg und aus kleinen Gebietsteilen von Bayern (Gersfeld, Orb).

Landkarte Westfalen, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen, Schaumburg-Lippe, Lippe, Waldeck
Landkarte Westfalen, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen, Schaumburg-Lippe, Lippe, Waldeck

Diese Gebiete bilden jetzt zwei Regierungsbezirke: Kassel und Wiesbaden, von denen der erstere die vormals kurhessischen und bayrischen und ein kleines Gebiet von Hessen-Darmstadt, der letztere die übrigen Landesteile umfasst. Die Provinz grenzt im Norden an Westfalen, Waldeck und Hannover, im Osten an die Provinz Sachsen, die thüringischen Staaten (Sachsen-Weimar) und Bayern, im Süden an Bayern und das Großherzogtum Hessen, im Westen an die Rheinprovinz. Von dem Hauptteil der Provinz sind getrennt, außer einigen kleinern Parzellen in Waldeck, die Kreise Schmalkalden am Thüringer Wald und Rinteln (Grafschaft Schaumburg) an der Weser zwischen den preußischen Provinzen Hannover und Westfalen und den Fürstentümern Lippe und Schaumburg-Lippe; innerhalb der Provinz dagegen liegen die großherzoglich hessische Provinz Oberhessen und der zur Rheinprovinz gehörige Kreis Wetzlar.

Landgrafen von Gesamt-Hessen
Landgrafen von Gesamt-Hessen

Wappen:

Das Wappen der preußischen Provinz Hessen-Nassau ist durch eine aufsteigende geschweifte Spitze gespalten. Oben rechts in Blau ein einwärts gekehrter, gekrönter, von Silber und Rot achtmal quergestreifter Löwe (Hessen). Oben links in Blau, mit goldenen, schrägrechts verstutzten Querschindeln bestreut, ein gekrönter goldener Löwe (Nassau). In der roten Spitze ein goldbewehrter silberner Adler (Frankfurt).

Provinz Hessen-Nassau, Großes Wappen
Provinz Hessen-Nassau, Großes Wappen

Landesfarben:

Die Farben der Provinz Hessen-Nassau sind Rot, Weiß, Blau.

Provinz Hessen-Nassau, Flagge
Provinz Hessen-Nassau, Flagge

Verwaltungshauptstadt:

Kassel 120 488 Einwohner – 1905 = 36. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Kassel, Drahtseilbrücke und Regierungsgebäude
Kassel, Drahtseilbrücke und Regierungsgebäude

Reichstag:

14 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus:

26 Mitglieder

Größe der Provinz Hessen-Nassau:

15.699,3 km²

Hessen-Nassau, Landkarte 1900
Hessen-Nassau, Landkarte 1900

Gerichtsbezirke der Provinz Hessen-Nassau:

Für die Provinz Hessen-Nassau bestehen 2 Oberlandesgerichte, das eine in Kassel, das andere in Frankfurt (Main), ferner 6 Landesgerichte und 109 Amtsgerichte.

a) Zum Oberlandesgericht Kassel gehört von der Provinz Hessen-Nassau der Regierungsbezirk Kassel mit Ausnahme der Kreise Grafschaft Schaumburg und Herrschaft Schmalkalden, ferner vom Regierungsbezirk Wiesbaden der größte Teil des Kreises Biedenkopf. Die Einteilung ist folgende:

  • Landgericht Kassel mit den Amtsgerichten: Abterode, Allendorf (Werra), Bischhausen, Eschwege, Felsberg, Friedewald, Fritzlar, Grebenstein, Großalmerode, Gudensberg, Hersfeld, Hessisch-Lichtenau, Hofgeismar, Karlshafen, Kassel, Melsungen, Naumburg (Bz. Kassel), Nentershausen, Netra, Niederaula, Oberkaufungen, Rotenburg (Fulda), Schenklengsfeld, Sontra, Spangenberg, Veckerhagen, Volkmarshausen, Wanfried, Witzenhausen, Wolfhagen und Zierenberg.
  • Landgericht Hanau mit den Amtsgerichten: Bergen (Kr. Hanau), Bieber (Kr. Gelnhausen), Birstein, Burghaun, Eiterfeld, Fulda, Gelnhausen, Großenlüder, Hanau, Hilders, Hünfeld, Langenselbold, Meerholz, Neuhof, (Kr. Fulda), Orb, Salmünster, Schlüchtern, Schwarzenfels, Steinau (Kr. Schlüchtern), Wächtersbach, Weyhers und Windecken.
  • Landgericht Marburg mit den Amtsgerichten: Amöneburg, Battenberg, Biedenkopf, Borken (Kr. Kassel), Frankenberg (HessN), Fronhausen (Bz. Kassel), Gladenbach, Homberg (Bz. Kassel), Jesberg, Kirchhain (Bz. Kassel), Marburg, Neukirchen (Kr. Ziegenhain), Neustadt (Main-Weserbahn), Oberaula, Rauschenberg, Rosenthal (Bz. Kassel), Treysa, Vöhl, Wetter (HessN), und Ziegenhain.
    Die Amtsgerichte im Kreise Grafschaft Schaumburg, nämlich Obernkirchen, Hessisch-Oldendorf, Rinteln und Rodenberg gehören zum Landgericht Hannover und zum Oberlandesgericht Celle.

Die Amtsgerichte im Kreise Herrschaft Schmalkalden, nämlich: Brotterode, Schmalkalden und Steinbach-Hallenberg gehören zum Landgericht Meiningen und zum Oberlandesgericht Jena.

b) Zum Oberlandesgericht Frankfurt (Main) gehört von der Provinz Hessen-Nassau der Regierungsbezirk Wiesbaden (mit Ausschluss des größten Teils des Kreisen Biedenkopf) mit folgenden Land- und Amtsgerichten:

  • Landgericht Frankfurt (Main) mit den Amtsgerichten: Frankfurt (Main) und Homburg v. d. Höhe.
  • Landgericht Limburg mit den Amtsgerichten: Diez, Dillenburg, Ems, Hadamar, Herborn, Limburg, Marienberg (Westerw.), Nassau, Rennerod, Runkel und Weilburg.
  • Landgericht Wiesbaden mit den Amtsgerichten: Braubach, Camberg, Eltville, Hochheim, Höchst, Idstein, Katzenelnbogen, Königstein (Taunus), Langenschwalbach, Nastätten, Niederlahnstein, Rüdesheim, St. Goarshausen, Usingen, Wehen und Wiesbaden.
Kassel, Altmarkt
Kassel, Altmarkt

Einwohner:

  • 1900: 1.897.981
  • 1905: 2.070.076
  • 1910: 2.221.021

Natürliche Gebiete:

Fast nur Gebirgsland:

  1. Rheinisches Schiefergebirge – Taunus.
  2. Das Hessische Bergland – Westabdachung des Rhöngebirges, Knüll, Kellerwald, Meißner, Kaufungerwald, Habichtswald (Wilhelmshöhe), Rheinhardswald.
Kassel, Auetor
Kassel, Auetor

Gewässer:

Lahn im Westen, Fulda im Osten, Grenzflüsse Rhein, Main, Werra-Weser bis Karlshafen, Eder und Schwalm.

Klima:

Rau sind die Hochflächen des Westerwaldes und des Rhöngebirges, mild die Flussebenen, vor allem der Rheingau, auch das Werratal, das bei Witzhausen noch Weinbau gestattet.

Bewohner:

Fränkischer Stamm der Hessen (Chatten), im Werratal Thüringer.

Deutsche Stämme nach Sprachgebieten (1918)
Deutsche Stämme nach Sprachgebieten (1918)

Bevölkerungsdichte:

131,8/ km²

Religion:  1871

  • 988.041 Evangelisch
  • 371.736 Römisch-katholisch
  •    3.892 andere Christen
  •  36.390 Juden
  •      311 Sonstige

Militär: 1881

Die Provinz Hessen-Nassau bildet mit Waldeck und einem Teil von Thüringen den Garnison- und Ersatzbezirk des XI. Armeekorps. Das Generalkommando befindet sich in Kassel. Weitere Garnisonsorte sind:

  • Northeim – Infanterie-Regiment 82,2
  • Wilhelmshöhe – Husaren-Regiment 14,5
Frankfurt a. M., Frankfurter Rennen
Frankfurt a. M., Frankfurter Rennen

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft ist in der Provinz nicht sonderlich geeignet.. Sehr fruchtbar ist der Rheingau, die Mainebene, das untere Lahntal, der Schwalmgrund, die Kasseler Mulde und das Werratal. Großer Wiesenreichtum deshalb viel Viehzucht. Hessen-Nassau ist die waldreichste Provinz Preußens (40%).
  • Bergbau ist bedeutend; er liefert vor allen Dingen Eisenerze und Silbererze (an der Lahn), Braunkohle im Westerwald, Habichts- und Kaufungerwald und der Meißner. Dazu kommen Sandsteine, Basalte, Dachschiefer und vorzügliche Tone. Zahlreiche Mineralquellen: Wiesbaden, Ems, Homburg, Soden, Langenschwalmbach, Schlangenbad, Nieder-Selters, Fachingen.
  • Industrie ist nur in einigen Gegenden von Bedeutung. Hauptplätze sind Kassel mit Maschinenbau, Groß-Almeroda mit Schmelztiegel, Hanau mit Schmucksachen aus Edelmetallen und Edelsteinen, Frankfurt/M mit Bijouterien und Eisenwaren.
  • Handel Mittelpunkt ist Frankfurt, Kassel, Hanau. Frankfurt als Geld- und Börsenplatz erst in letzter Zeit von Berlin vom ersten Platz verdrängt worden.

Postwesen und Briefmarken:

Im Kurfürstentum Hessen-Kassel und im Herzogtum Nassau tätigte Thurn und Taxis den Postdienst. Hessen-Kassel gehörte zum „Nördlichen Bezirk“ mit Groschenwährung, das Herzogtum Nassau dagegen gehörte zum „Südlichen Bezirk“ mit Kreuzerwährung. Nach der Annexion der Länder durch Preußen, übernahm die preußische Post den Postdienst. Das Königreich Preußen verfügte vom 18.01.1701 bis 31.12.1867 über eine eigene Posthoheit. Die erste preußische Briefmarke wurde 1857 ausgegeben. Ab 1866 gehörte Preußen zum Norddeutschen Postgebiet, ab 01.01.1871 zum Gebiet der Reichspost.

Hanau, Schloss Philippsruhe
Hanau, Schloss Philippsruhe

Administrative Gliederung der Provinz Hessen-Nassau:

Die oberste Verwaltung der Provinz Hessen-Nassau wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Kassel ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz Hessen Nassau gliedert sich in zwei Regierungsbezirke.

  1. Regierungsbezirk Kassel (vormaliges Kurhessen) mit einer Fläche von 10.082,03 km² und 890.142 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 2 Stadtkreise und 22 Landkreise:
    Stadtkreis Kassel, Stadtkreis Hanau und die Landkreise Eschwege, Frankenberg, Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Homberg/Ohm, Hünfeld, Kassel, Kirchhain, Marburg, Melsungen, Rinteln, Rotenburg a.d. Fulda, Schlüchtern, Schmalkalden, Witzenhausen, Wolfhagen, Ziegenhain
  2. Regierungsbezirk Wiesbaden mit einer Fläche von 5617,25 km² und 1.007.839 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 2 Stadtkreise und 16 Landkreise: Stadtkreis Frankfurt am Main, Stadtkreis Wiesbaden und die Landkreise Biedenkopf, Dillkreis, Frankfurt am Main, Höchst, Limburg, Oberlahnkreis, Obertaunuskreis, Oberwesterwaldkreis, Rheingaukreis, Sankt Goarshausen, Unterlahnkreis, Untertaunuskreis, Unterwesterwaldkreis, Usingen, Westerburg, Wiesbaden

Kurfürstentum Hessen-Kassel

(Residenzstadt Kassel)

Kurfürstentum Hessen-Kassel, Landesfarben
Kurfürstentum Hessen-Kassel, Landesfarben

Als 1866 der Konflikt (Deutscher Krieg) zwischen Österreich und Preußen ausbrach, beobachtete Kurfürst Friedrich Wilhelm aus Furcht vor Preußen lange strenge Neutralität, erst am 13. Juni befahl er, von Österreich ermutigt, die Mobilmachung, stimmte am 14. Juni im Bundestag gegen Preußen und lehnte am 15. Juni dessen Ultimatum, das ihm unter der Bedingung der Neutralität und des Eintritts in den neuen Bund (Norddeutscher Bund) sein Gebiet zusicherte, ab. Die hessischen Truppen gingen in aller Eile nach Hanau, die preußische Division v. Beyer rückte am 16. Juni von Wetzlar aus in Hessen-Kassel ein und besetzte am 20. Juni Kassel; der Kurfürst, der ruhig auf seinem Schloss Wilhelmshöhe geblieben war, am 22. Juni vom General v. Röder nochmals aufgefordert, sich dem neuen Bunde bedingungslos anzuschließen, wurde nach wiederholter Weigerung am 23. Juni als Staatsgefangener nach Stettin gebracht, wo er sich am 17. September durch Vertrag mit Preußen wenigstens die Einkünfte des Hausfideikommisses sicherte. Hessen-Kassel, am 20. September 1866 mit Preußen vereinigt, bildet seitdem einen Teil der neuen Provinz Hessen-Nassau.

Kassel-Wilhelmshöhe. Schloss
Kassel-Wilhelmshöhe. Schloss

Die Bevölkerung hat den Wechsel der Herrschaft nicht bedauert, und die geschickte Verwaltung des Oberpräsidenten von Möller sowie die großmütige Regelung der finanziellen Angelegenheiten hat den Übergang erleichtert. Die 1831 dem Lande zugewiesene Hälfte des Haus- und Staatsschatzes wurde am 16. September 1867 dem kommunalständischen Verband des Regierungsbezirks Kassel überwiesen, und die Einkünfte kamen nun wirklich dem Lande zugute. Das Hausfideikommiß dagegen wurde wegen der Wühlereien des in Böhmen lebenden Kurfürsten und seiner wenigen Anhänger 1868 von Preußen Beschlagnahmt, aber aus den Einkünften wurde dem ältesten Agnaten des Hauses Hessen-Kassel, dem Landgrafen Friedrich († 14. Oktober 1884), am 26. März 1873 die Erhöhung seines Einkommens auf 606.000 Mark und 1880 den Nebenlinien Philippsthal und Philippsthal-Barchfeld eine jährliche Rente von 300.000 Mark gewährt; jede der drei Linien (Haupt derselben ist Landgraf Alexander Friedrich in Philippsruhe bei Hanau, geboren am 25. Jan. 1863) erhielt einige Schlösser. Die Unterhaltung der übrigen übernahm die Krone Preußens , die das Hausfideikommiß und das aus dem Nachlass des Kurfürsten 1875 hinzugekommene Silberzeug durch die Regierung in Kassel verwalten lässt und auf Kosten desselben mehrere Bauten (Gemäldegalerie in Kassel, Restauration des Marburger Schlosses u. a.) ausführte.

Herzogtum Nassau

(Residenzstadt Wiesbaden)

Herzogtum Nassau, Landesfarben
Herzogtum Nassau, Landesfarben

Am 1. Januar 1836 trat das Herzogtum Nassau dem Deutschen Zollverein bei. Auf Herzog Wilhelm folgte dessen Sohn Adolf (1839 – 66), der im April 1848 ein neues Wahlgesetz (nur eine aus indirekten Wahlen hervorgegangene Kammer) erließ und mit dem Landtag eine neue Verfassung vereinbarte, die am 28. Dezember 1849 veröffentlicht wurde. Auch schloss sich Nassau der preußischen Union an, lenkte aber nach Herstellung des alten Bundestags in das reaktionäre Fahrwasser ein. Die Verfassung von 1849 wurde am 28. November 1851 aufgehoben und wieder zwei Kammern eingeführt. Erst 1863 siegten in der Zweiten Kammer die Liberalen und forderten sogleich die Wiederherstellung der Verfassung von 1849. Die Regierung löste den Landtag 1864 und 1865 auf, doch ohne Erfolg, da die Liberalen nun in beiden Kammern die Mehrheit erlangten. Von seinem Adjutanten, General v. Zimiecki, beeinflusst, hielt sich der Herzog in der deutschen Frage ganz zu Österreich, verfügte 1866 bereits am 4. Mai die Mobilmachung des nassauischen Kontingents und forderte am 5. Juni von den Kammern die Bewilligung eines außerordentlichen Kredits von 500.000 Gulden.

Wiesbaden, Rathaus
Wiesbaden, Rathaus

Der Landtag lehnte, nachdem die Regierung am 14. Juni am Bundestag für Österreich gestimmt hatte und der Deutscher Krieg ausgebrochen war, am 26. Juni und am 6. Juli die Kreditforderung ab, worauf er aufgelöst wurde. Das nassauische Kontingent, eine Brigade, sollte sich eigentlich mit dem 8. Bundeskorps vereinigen, dann aber, als der Fürst von Hohenzollern von Norden her in Nassau einrückte, die preußischen Truppen abwehren und marschierte zwecklos hin und her. Der Herzog verließ am 15. Juli seine Residenz und ging erst nach Mainz, dann nach Augsburg, während die nassauischen Truppen bei Günzburg an der Donau konzentriert wurden. Der Landrat von Wetzlar, von Diest, übernahm unter Zustimmung der Bevölkerung als preußischer Zivilkommissar die Verwaltung des Landes, das durch königliches Patent vom 3. Oktober 1866 mit Preußen vereinigt wurde; es bildete mit Hessen-Homburg und Frankfurt a. M. den Regierungsbezirk Wiesbaden der neuen Provinz Hessen-Nassau, erhielt aber 1867 ein besonderes Konsistorium und einen eignen Kommunallandtag. Der Herzog Adolf († 17. November 1905), der am 8. September 1866 die Truppen und die Beamten ihres Eides und Dienstes entließ, schloss am 22. September 1867 mit Preußen einen Abfindungsvertrag, in dem er gegen den Verzicht auf Nassau eine Entschädigung von 15 Millionen Gulden nebst einigen Schlössern bekam; auch blieb ihm für den Fall des Erlöschens der oranischen Linie im Mannesstamm die Anwartschaft auf Luxemburg, wo er 1890 Großherzog wurde.

Freie Stadt Frankfurt

Freie Stadt Frankfurt, Stadtfarben
Freie Stadt Frankfurt, Stadtfarben

In Frankfurt am Main tagten 1848–49 das Vorparlament und die deutsche Nationalversammlung (Frankfurter Parlament), die am 18. Mai 1848 ihre erste und 31. Mai 1849 ihre letzte Sitzung in der Paulskirche hielt. Hier, als am Mittelpunkt des damaligen politischen Lebens in Deutschland, war das Parteigetriebe und die Aufregung am heftigsten; daher die wiederholten Tumulte, unter denen besonders der zu Sachsenhausen am 7. und 8. Juli 1848 sowie der zunächst durch den Malmöer Waffenstillstand hervorgerufene vom 18. September mit Waffengewalt unterdrückt werden mussten. Während der folgenden Jahrzehnte zeigte Frankfurt eine große Regsamkeit auf dem Gebiete der Gesetzgebung. In diese Periode fallen namentlich die Verfassungsrevision von 1864, das neue Gewerbegesetz auf der Grundlage vollständiger Gewerbefreiheit und die bereits zehn Jahre früher angebahnte politische Emanzipation der Israeliten (1864). Im August 1863 tagte in Frankfurt der mit der deutschen Bundesreform beschäftigte Frankfurter Fürstentag sowie öfters der Nationalverein und der diesem entgegengesetzte Reformverein. Auch der deutsche Abgeordnetentag hielt hier seine Sitzungen. Als es 1866 zum Bruch zwischen den beiden Großmächten kam, stimmte Frankfurt, in dessen Bevölkerung die Sympathie für Österreich und die preußenfeindliche Stimmung überwogen, 14. Juni, abweichend von den anderen Freien Städten, in einem Seperatvotum gegen Preußen und für den österreichischen Mobilmachungsantrag und ließ sein Kontingent zum Bundesarmeekorps stoßen, dessen Hauptquartier nach Bornheim bei Frankfurt verlegt wurde. Am 4. Juli beschloss die Bundesversammlung, durch Anlegung von Schanzen um die Stadt her sich einigen Schutz zu verschaffen.

Frankfurt a. M., Eiserner Steg
Frankfurt a. M., Eiserner Steg

Dagegen erhob der Senat Widerspruch, um Frankfurt den Charakter eines offenen Platzes zu wahren; doch schon am 14. Juli siedelte der Rumpfbundestag nach Augsburg über, und am 16. Juli rückte Vogel von Falckenstein an der Spitze der Division Goeben in die Bundesstadt ein. Der Stadt wurden 6 Millionen Gulden Kriegssteuer auferlegt, der ganze Regierungsapparat, Senat, Gesetzgebender Körper und Bürgerkollegium, sofort außer Tätigkeit gesetzt und die Thurn und Taxissche Generalpostverwaltung von Preußen übernommen. Dann trat am 19. Juli an Stelle Falckensteins General Manteuffel, der eine neue Forderung von 25 Millionen Gulden stellte und die Stadt mit noch härteren Maßregeln bedrohte. Eine Deputation, die sich in das Hauptquartier des Königs nach Böhmen begab, erlangte zwar den Erlass der zweiten Kontribution; aber durch königliches Patent vom 18. Oktober 1866 wurde die Einverleibung Frankfurts in den preußischen Staat ausgesprochen. Seitdem bildet die Stadt mit ihrem ehemaligen Gebiet, unter Zunahme des vorher großherzoglich hessischen Teils, des Ortsbezirks Nieder-Ursel, einen Kreis (Stadtkreis) des Regierungsbezirks Wiesbaden. Nach dieser Zeit wurde Frankfurt historisch wichtig durch den Frieden von Frankfurt (Frankfurter Friede).

Fulda, Bonifacius-Denkmal, Hauptwache und Dom
Fulda, Bonifacius-Denkmal, Hauptwache und Dom

Geschichte Hessens

Provinz Hessen-Nassau, Wappen
Provinz Hessen-Nassau, Wappen

Das alte Land Hessen, zu verschiedenen Zeiten mit verschiedener Begrenzung, gehörte zum Herzogtum Franken und bildete bis zum Anfang des 12. Jahrhunderts mehrere Grafschaften. Besonders hervorzuheben sind dabei die Grafen von Gudensberg, die den nördlichen Teil Hessens beherrschten. 1137 erwarb Ludwig I. von Thüringen durch seine Heirat mit Hedwig von Gudensberg ansehnliche Güter in Hessen, dessen größter Teil fortan mit Thüringen vereinigt war.

Völker Mitteleuropas nach 476
Völker Mitteleuropas nach 476

Als die thüringischen Landgrafen 1247 ausstarben, entstand um ihr Erbe der thüringische Erbfolgekrieg zwischen Heinrich dem Erlauchten von Meißen und Sophie, der Tochter Ludwigs des Heiligen und Gemahlin des Herzogs Heinrich von Brabant. Der Krieg endete 1265 mit einer Teilung und Sophie erhielt für ihren Sohn Heinrich I., das Kind von Brabant, Hessen. Hessen, das bald zu einer besonderen Landgrafschaft und 1292 vom König Adolf zu einem erblichen Reichsfürstentum erhoben wurde, vergrößerte sich durch Boyneburg und Eschwege. Bei Heinrichs Tod, 1308, teilten seine Söhne Otto I. (Niederhessen mit Kassel) und Johann I. (Oberhessen mit Marburg) das Erbe unter sich auf. Doch starb Johann schon 1311, und Otto I. erhielt ganz Hessen, zudem er 1327 Gießen erwarb. Sein Sohn Heinrich der Eiserne (1328-1377) vergrößerte das Land um Treffurt und einen Teil von Itter und Schmalkalden und erhielt 1373 von Karl IV. die Belehnung mit ganz Hessen als Reichsfürstentum.

Rüdesheim am Rhein, Restaurant Reinhalle
Rüdesheim am Rhein, Restaurant Reinhalle

Ihm folgte, da sein Sohn Otto der Schütz, der nach der Sage als Schützenhauptmann unerkannt um seine Braut Elisabeth von Kleve geworben, schon vor ihm gestorben war, sein Neffe Hermann I. (1377-1413). Seine Regierung war fortwährend durch Fehden mit den Ritterbünden und den Nachbarn gekennzeichnet, aber dennoch für Begründung der Landesherrschaft nicht ohne Gewinn. Sein Sohn Ludwig I., der Friedsame (1413-1458), erwarb 1450 die Grafschaften Ziegenhain und Nidda und gehörte zu den mächtigsten Reichsfürsten. Seine Söhne Ludwig II. (1458-71), der Freimütige, und Heinrich III. (1458-83), der Reiche, teilten Hessen wieder in zwei Linien, Kassel und Marburg. Letzterer erwarb 1479 durch seine Gemahlin die Grafschaft Katzenelnbogen sowie durch Kauf Dietz, Klingenberg und Eppenstein. Mit seinem Sohn Wilhelm III., dem Jüngern, starb 1500 die Marburger Linie wieder aus, und ihre Besitzungen fielen an die Kasseler Linie. 1471 folgten auf Ludwig II. seine Söhne Wilhelm I., der Ältere, und Wilhelm II., der Mittlere. Ersterer, auf einer Fahrt nach Palästina trübsinnig geworden, dankte 1493 ab, und so vereinigte Wilhelm II. seit 1500 alle hessischen Besitzungen, die er 1505 durch Homburg vergrößerte. Er starb aber schon 1509 und hinterließ das Land seinem fünfjährigen Sohn Philipp dem Großmütigen (1509-67), der anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter Anna von Mecklenburg, seit 1518 selbstständig regierte. Unter ihm spielte Hessen in der weltlichen und kirchlichen Geschichte des Reichs eine bedeutende Rolle. Er bekämpfte Sickingen und den Bauernaufstand.

Marburg a. d. Lahn, Markt und Rathaus
Marburg a. d. Lahn, Markt und Rathaus

Schon seit 1521 Luthers Anhänger und seit 1526 mit Johann von Sachsen verbündet, führte er die Reformation in seinem Land ein und stiftete die erste protestantische Universität in Marburg. Seit 1531 eins der Häupter des Schmalkaldischen Bundes, wurde er 1547 gefangen genommen und erst 1552 freigelassen. Bei seinem Tode teilte er aber Hessen unter seine Söhne Wilhelm IV., der Niederhessen mit Ziegenhain und Schmalkalden, Ludwig, der Oberhessen nebst Nidda und Eppstein, Philipp, der Niederkatzenelnbogen mit Rheinfels und St. Goar, und Georg, der Oberkatzenelnbogen mit Darmstadt erhielt. Doch starben Philipp schon 1583, Ludwig 1604, und ihre Gebiete fielen an die Linien Kassel und Darmstadt, in welche Hessen fortan geteilt blieb. Von jener zweigten sich die Seitenlinien Rotenburg (bis 1658), Eschwege (bis 1655), Rheinfels-Rotenburg (bis 1834) und Rheinfels-Wanfried (bis 1755), ferner Philippsthal und Philippsthal-Barchfeld, die noch bestehen, ab, während von der Linie Hessen-Darmstadt die Linie Hessen-Homburg abstammte, die 1866 erlosch.

Als souveränes Fürstenhaus besteht nun nur noch die Linie Hessen-Darmstadt. Der Deutsche Krieg von 1866 hatte die Besetzung des Kurfürstentums Hessen durch Preußen zur Folge. Aus dem ehemalige Kurfürstentum Hessen-Kassel und dem ehemalige Herzogtum Nassau wurde 1868 die preußische Provinz Hessen-Nassau gebildet. Die Provinz Hessen-Nassau bestand aus dem vormaligen Kurfürstentum Hessen nebst verschiedenen Bayrischen (Kreis Gersfeld und Amt Horb) und Großherzoglich-Hessischen Gebietsteilen (Bezirksamt Vöhl und Kreis Biedenkopf) [nachdem im Friedensvertrag mit dem Großherzogtum Hessen mehrere kurhessischen Gebietsteile (Nauheim, Reichelsheim, Hachheim) an das Großherzogtum Hessen abgetreten waren] einschließlich der am 2. März 1866 an das Großherzogtum Hessen gekommenen vormaligen Landgrafschaft Hessen-Homburg (ohne das Amt Meisenheim), ferner dem vormaligen Herzogtum Nassau und der freien Stadt Frankfurt a. M. Preußische Gesetze vom 20. September und 24. Dezember 1866. Das vormalige Kurhessen bildet den Regierungsbezirk Kassel, die anderen Gebietsteile den Regierungsbezirk Wiesbaden.

Schmalkalden, Schloss Wilhelmsburg
Schmalkalden, Schloss Wilhelmsburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde das Land zwischen den Besatzungsmächten Frankreich und USA aufgeteilt. Der linksrheinische Teil (etwa deckungsgleich mit Rheinhessen) kam zur französischen Zone, während die übrigen Gebiete Teil der US-amerikanischen Zone wurden. Am 19. September 1945 gründete die amerikanische Besatzungsmacht den neuen Staat „Groß-Hessen“, der den rechtsrheinischen Teil des Volksstaates Hessen sowie den größeren Teil der Provinz Hessen-Nassau umfasste, die Hauptstadt wurde Wiesbaden. Das linksrheinische Rheinhessen dagegen wurde, wie die französisch besetzten Teile Nassaus, ein Gebiet des von den Franzosen künstlich geschaffenen Landes Rheinland-Pfalz. Groß-Hessen wurde am 1. Dezember 1946 in „Land Hessen“ umbenannt und ist seit 1949 ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.

Hessen aktuell:

Das heutige Land Hessen mit der Hauptstadt Wiesbaden besteht aus:

  • dem ehemaligen Großherzogtum Hessen, ohne die Provinz Rheinhessen. Diese gehört durch Verordnung Nr. 57 der französischen Militärregierung zum 1946 künstlich geschaffenen Land Rheinland-Pfalz.
  • der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau, ohne den Regierungsbezirk Schmalkalden (seit 1944 zu Thüringen) und ohne die Kreise Ober- und Unterwesterwald, Unterlahn und Sankt Goarshausen. Diese gehören durch Verordnung Nr. 57 der französischen Militärregierung zum 1946 künstlich geschaffenen Land Rheinland-Pfalz.
  • dem Regierungsbezirk Wetzlar der ehemaligen preußischen Provinz Rheinland (seit 1. Oktober 1932)
  • dem ehemaligen Fürstentum Waldeck und Pyrmont, Waldeck schloss sich nach einer Volksabstimmung 1929 der Provinz Hessen-Nassau an (Pyrmont bereits 1922 an Westfalen).

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Oberstufen-Altas für höhere Lehranstalten“ Gotha Justus Perthes 1914
Reichsadler 1889-1918

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